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GEW kritisiert Althusmanns Bildungspläne / Taschenspielertricks und Rolle rückwärts?

Hannover, 24. Mai 2017: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen kritisiert die bildungspolitischen Pläne des CDU-Landesvorsitzenden Bernd Althusmann. Der Spitzenkandidat seiner Partei sagte am 24. Mai, er wolle nach der Landtagswahl 2018 bei der Inklusion eine Pause einlegen lassen und den Pflichtunterricht zulasten anderer Bereiche stärken.

„Herr Althusmann sitzt im Glashaus und wirft mit Steinen. Den heutigen Lehrkräftemangel, der maßgeblich zu niedrigerer Unterrichtsversorgung führt, hat er mitverschuldet, indem die damalige Regierung die Zahl der Studienplätze in der Vergangenheit gekürzt hat", erinnert der GEW-Landesvorsitzende Eberhard Brandt.„Obwohl die damalige CDU-FDP-Landesregierung auch schon verpflichtet war, die Inklusion umzusetzen, ist bis 2013 nahezu nichts geschehen", führt die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth aus. „Eine gesellschaftliche Mammutaufgabe wie die Inklusion war nicht in vier oder fünf Jahren zu erledigen. Das hätte früher angepackt werden müssen und benötigt nun trotz der Maßnahmen der rot-grünen Landesregierung natürlich mehr Zeit und Personal. Ein Moratorium bei der Inklusion würde eine Rolle rückwärts bedeuten und teure Doppelstrukturen fördern", sagt sie.

Die GEW warnt vor Taschenspielertricks bei der Unterrichtsversorgung. „Die Zahlen schönzurechnen, wäre kein Problem. Aber auf wessen Kosten? Wer Sonderbedarfe für Flüchtlinge, Inklusion oder Ganztagsbetreuung streicht, muss mit massivem Gegenwind rechnen. Dasselbe gilt für die höhere Unterrichtsverpflichtung von Referendarinnen und Referendaren", betont Pooth.

„Es kommt darauf an, wie Herr Althusmann dem Lehrkräftemangel faktisch entgegentreten will. Dazu findet sich in seinen Äußerungen verdammt wenig. Der Lehrerberuf muss attraktiver werden. Das geht durch bessere Bezahlung, nämlich A 13 für alle, und durch eine geringere Unterrichtsverpflichtung – aber keinesfalls mit Prämien in wenigen Teilbereichen."

Ebenfalls kritisiert die GEW Althusmanns Pläne bei den Bedingungen zur Errichtung von Gesamtschulen. Jeder Schulträger soll dabei verpflichtet werden, auch alle anderen Schulformen (Haupt-, Real- und Oberschulen sowie Gymnasien) vorzuhalten. „Das kommt faktisch einem Gesamtschul-Verbot gleich. Hat die CDU bei der Bildung nichts dazugelernt?", fragt die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende.
Die GEW Niedersachsen wird den umfangreichen 10-Punkte-Plan des CDU-Spitzenkandidaten nun intensiv begutachten.