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GEW: Drohenden Lehrkräftemangel abwenden

07.04.2016

Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Studium verbessern
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat heute (Mittwoch, den 6. April 2016) eine Auswertung der Einstellungsrunde zum 1. Februar sowie ein Aktionsprogramm zur Verbesserung der Bewerberlage vorgelegt. „Eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen gehören auf die Tagesordnung. Dafür muss der Landtag den Personaletat des Kultusministeriums deutlich aufstocken!" fordert der GEW-Landesvorsitzende Eberhard Brandt. „Außerdem müssen die Studienplätze für das Lehramt angehoben, die Studienbedingungen verbessert und das Nachstudium für die Mangelfächer eingeführt werden."
„Die Zahlen belegen, dass es jetzt einen eklatanten Nachwuchsmangel an Haupt- und Realschullehr-kräften und auch an Grundschullehrkräften gibt." erklärte der GEW-Landesvorsitzende. Dieser Mangel konnte nur dadurch behoben werden, dass die Landesschulbehörde Gymnasiallehrkräfte für die Arbeit an Haupt-, Real- und Oberschulen gewinnen konnte. Der Anteil der Gymnasiallehrkräfte an den Einstellungen beträgt 18 Prozent. Außerdem wurden an diesen Schulen 18 Prozent Quer-einsteiger ohne Lehramtsausbildung eingestellt. Zugleich wurden an den Integrierten Gesamtschulen 77 Prozent statt bisher 50 Prozent Gymnasiallehrkräfte eingestellt. Der Einstellungserlass des Kultus-ministeriums für die kommende Einstellungsrunde zum 1. August 2016 zeigt, dass dieser Trend an-halten wird. So dürfen an IGSen künftig grundsätzlich nur noch Gymnasiallehrkräfte eingestellt werden.

Weitere Indizien für die veränderte Bewerberlage:

1. Der Anteil der Einstellungen aus anderen Bundesländern ging von 31,4 Prozent (31.08.2015) auf 18,3 Prozent (1.2.2016) zurück. Auch dort gab es mehr Einstellungen und eine Verschlechterung der Bewerberlage, z.T. auch eine bessere Bezahlung.
2. Zum 1.2. 2016 wurden 51 Prozent der Bewerber eingestellt. Zum 1.2. 2015 waren es 37 Prozent. Die Fächer und die Noten der Bewerber spielten eine geringere Rolle als früher.
Mit 1.669 Einstellungen war die Einstellungsrunde im Februar 2016 viel größer als seit Jahren. Die zusätzlichen Einstellungen erfolgten überwiegend für die Sprachförderung, die mehr als 0,5 Prozent der Unterrichtsversorgung ausmacht. Die veränderten Tendenzen in der Bewerberlage traten dabei besonders deutlich zu Tage.
Bezahlung und Arbeitsbedingungen verbessern
Bei gleich langem Studium akzeptieren die Absolventinnen der LehrerInnenbildung keine unterschiedliche Bezahlung mehr, so Eberhard Brandt. „Für A12 wird der Arbeitgeber Land Niedersachsen nicht mehr genug Personal für die Schulen gewinnen. A 13 Z für alle Schulformen muss der Landtag finanzieren!" Außerdem müssten die Arbeitsbedingungen an allen Schulformen verbessert werden. Die GEW werde ihre Forderungen zur Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung nach Auswertung der Arbeitszeitstudie im Herbst 2016 aufstellen. „Es liegt am Arbeitgeber genug für die Anwerbung junger Lehrkräfte zu tun. Mit Blick auf die kommenden Kommunal- und Landtagswahlen richtet die GEW ihre Forderungen an alle Landtagsparteien."

Studienmöglichkeiten verbessern
Die Anzahl der Studienplätze für das Lehramtsstudium müsse erweitert werden. „Die massiven Streichungen, die die CDU/FDP Regierung mit ihrem Hochschuloptimierungskonzept 2005 eingeführt hatte, rächen sich jetzt." Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hatte dafür gesorgt, dass die von CDU und FDP beschlossene Halbierung der Studienplätze für SonderpädagogInnen wieder rückgängig gemacht wurde. „Jetzt müssen auch die übrigen Einschnitte zurückgenommen werden!" fordert die GEW. In Göttingen, Hannover und Braunschweig müssen wieder alle Lehrämter und Fächer angeboten werden. Außerdem muss das Land Lehrkräften die Möglichkeit geben, Mangelfächer nachzustudieren. Bisher gibt es dieses Angebot nur für die Fächer Informatik und Religion, sowie für Sonderpädagogik. Um die hohe Abbrecherquote in den Lehramtsstudiengängen zu reduzieren, müssten die Studienbedingungen endlich verbessert werden. „Es ist eine Zumutung, dass die Lehre zu 80 Prozent von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen in befristeten Zwangsteilzeitverträgen geleistet wird.", so Eberhard Brandt. Die Betreuungsquote müsse mit WissenschaftlerInnen in besseren Verträgen angehoben werden.

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