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GEW: Digitalisierung darf nicht zum Tempomacher sozialer Spaltung werden

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen warnt vor negativen Folgen digitalen Unterrichts für Kinder und Jugendliche. Neue digitale Geschäftsmodelle könnten die Bildungschancen vieler Betroffener weiter senken, befürchtet die GEW.

02.04.2020 - Hannover

„Aktuell geht natürlich die Gesundheit vor, was die Schließung von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen rechtfertigt. Insgesamt dürfen Bildungschancen jedoch nicht den Interessen von Digital-Unternehmen geopfert werden“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Während viele Bereiche der Wirtschaft heftige Einschnitte erlebten, gebe es im Digitalbereich Krisen-Profiteure, denen die verantwortliche Politik nicht das Feld überlassen dürfe. Pooth forderte nichtkommerzielle Lösungen, die Pädagogik und Didaktik in den Mittelpunkt stellen.
„Digital-Unternehmen nutzen die Corona-Pandemie, um ihre längst bekannten Geschäftsmodelle neu zu propagieren. Ausgeblendet werden dabei Fakten aus Praxis und Wissenschaft, die das pädagogische Versagen von Digitaltechnik in Schulen belegen. Der Einsatz digitaler Endgeräte führt nämlich nicht per se zu Lernzuwachs“, erläuterte Pooth. Vielmehr seien qualifizierte Lehrkräfte und ihre persönliche Interaktion mit den Kindern entscheidend. Außerdem brauche es gut strukturierten Unterricht, ausreichend pädagogische und therapeutische Fachkräfte sowie ein lernförderliches soziales Umfeld.
„Video-Lehrkräfte und Homeschooling klingen modern, sind tatsächlich aber Rückschritte in Sachen Chancengleichheit. Die Digitalisierung darf nicht zum Tempomacher sozialer Spaltung werden“, forderte die GEW-Landesvorsitzende. In finanziell benachteiligten oder bildungsfernen Familien fehlten oft zum Lernen sinnvolle Endgeräte wie PC oder Laptop, während Smartphones vielfach vorhanden seien. Außerdem mangele es vielfach an Räumlichkeiten, Ruhe und Unterstützung.
„Online-Unterricht ist nur für ältere, disziplinierte Kinder geeignet. Alle anderen sind auf fortwährende, direkte Rückkopplungen mit der Lehrkraft angewiesen. Das soziale Lernen in der Schule bleibt das Rückgrat guter und gerechter Bildung“, betonte die GEW-Landesvorsitzende.

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