Protest gegen Mehrarbeit

Aktueller Stand der Arbeitszeitstudie

Die Arbeitszeitstudie der GEW und der Universität Göttingen läuft seit knapp einem Jahr. Hier gibt es in FAQ-Form den aktuellen Stand der Dinge.

Februar 2016

Was ist die Arbeitszeitstudie der GEW?
Die GEW führt eine wissenschaftlich abgesicherte Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer durch. Sozialwissenschaftler der Universität Göttingen werden verantwortlich an dieser Studie arbeiten, die Daten erheben und auswerten.

 

Was soll das?
Es gibt viele Vorurteile über die Arbeitszeit der Lehrkräfte: „Lehrer arbeiten nur vormittags" sowie „Lehrer haben viel mehr Urlaub" sind dabei die bekanntesten. Damit wollen wir aufräumen und gleichzeitig der Landesregierung deutlich machen, dass die Grenzen des Zumutbaren erreicht bzw. überschritten sind. Was die Kolleginnen und Kollegen bisher selbst wahrnehmen, wird nun durch die wissenschaftliche Studie empirisch unterfüttert.
Während die Studie lief, hat das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht die verordnete Mehrarbeit an Gymnasien für rechtswidrig erklärt. Ein wichtiges Argument war, dass die Landesregierung keine sorgfältige Abwägung über die Folgen der Änderung und die Arbeitszeit der Lehrkräfte vorgenommen habe. Nach Überzeugung des OVG muss einer Festlegung der Unterrichtsverpflichtung eine tatsächliche Bestimmung der Gesamtarbeitszeit vorausgehen. Ohne eine solche Erhebung sei eine Arbeitszeitverordnung rechtswidrig. Die Ergebnisse der Studie werden daher einen großen Einfluss auf die zukünftige Gestaltung der Arbeitszeitverordnung haben, weil damit erstmals eine solide Basis auf Grundlage einer ganzjährigen und minutengenauen Erhebung besteht. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Ergebnisse nicht im Verdacht der Manipulation / Käuflichkeit stehen (dazu unten mehr).

 

Kauft sich die GEW passende Ergebnisse?
Nein. Erstens: Selbst falls die GEW dies wollte, würden die Wissenschaftler der Universität Göttingen keinesfalls mitmachen. Zweitens: Die GEW will dies auch gar nicht, weil Ergebnisse, die nur in den bloßen Verdacht der Käuflichkeit kämen, sofort für den Papierkorb wären, weil sie nicht ernst genommen würden. Die Studie wäre also rausgeschmissenes Geld für die GEW und würde – vollkommen zurecht – zu großen Unmut bei den TeilnehmerInnen führen.

 

Hat die GEW wirklich keinen Einfluss auf die Ergebnisse?
Nein, hat sie nicht. Erstens: Die GEW weiß, welche Kollegien teilnehmen, hat aber keine Ahnung, wer aus den Kollegien teilnimmt und wie die TeilnehmerInnen erreicht werden können. Die Universität Göttingen pflegt den Kontakt zu den TeilnehmerInnen. Die GEW hat eine Ansprechperson pro Kollegium, die in unregelmäßigen Abständen einen „Rundbrief" oder ein Motivationspaket erhält. Es gibt von Seiten der GEW keinerlei Aufrufe für oder gegen ein bestimmtes Eintragsverhalten.
Zweitens: Bei der Erstellung des Erhebungssystems hat die GEW die Universität Göttingen beraten und eine Pilotstudie finanziert. Die endgültigen Entscheidungen über Methodik etc. obliegen der Universität Göttingen, nicht der GEW.
Drittens: Die GEW kennt keine Zwischenstände oder dergleichen und kann deswegen auch nicht „nachsteuern" oder sich auf irgendein Ergebnis-Szenario vorbereiten. Die Verwaltung der Datensätze macht alleine die Universität Göttingen.
Viertens: Die Unterstellung der gekauften Ergebnisse enthält zugleich den Vorwurf an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass sie käuflich sind. Einen solchen Verdacht weist die GEW zurück. Oder eine solche Unterstellung enthält den Vorwurf, dass die Wissenschaftler der Universität Göttingen käuflich sind. Auch dies weist die GEW zurück.
Fünftens: Der methodische Ansatz und der Umgang mit Daten kann beispielhaft beim Abschlussbericht der Pilotstudie oder bei den aktuellen FAQ (zur Vorbereitung auf die Studie hier und zur Durchführung hier) nachgelesen werden.
Sechstens: Die Ergebnisse der Pilotstudie wurden vom Oberverwaltungsgericht für plausibel erachtet und in dem Urteil zur Mehrarbeit an Gymnasien aufgegriffen. Das Gericht hat den Verdacht der unseriösen Erfassung / Auswertung sich nicht zu Eigen gemacht.

 

Die Ergebnisse sind noch gar nicht bekannt, trotzdem fordert die GEW schon eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung. Wie passt das zusammen?
Die Forderung nach einer Senkung der Unterrichtsverpflichtung ist in etwa so alt wie die GEW selbst und fußt auf den Erfahrungen, die die Lehrerinnen und Lehrer seit Jahrzehnten machen. Es wäre reichlich absurd und widerspräche der gewerkschaftlichen Kernaufgabe der Interessenvertretung der Beschäftigten, wenn sich die GEW nun für über zwei Jahre einen Maulkorb in dieser Angelegenheit verpassen würde. Die Studie – von der Entscheidung zur Pilotstudie im Winter 2013/14 bis zur Auswertung der flächendeckenden Erhebung im Sommer 2016 – nimmt einen solchen Zeitraum von über zwei Jahren in Anspruch. Natürlich werden die konkreten Ergebnisse der Studie einen Einfluss auf Weiterentwicklung der GEW-Positionen haben. Aber nochmals: Über zwei Jahre zu der zentralen Frage im Bereich der Arbeitsbelastung zu schweigen, kann niemand ernsthaft von der GEW verlangen.

 

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Die Studie läuft seit dem ersten Schultag nach den Osterferien 2015 und endet mit dem letzten Tag der Osterferien 2016. Somit wird ein ganzes Schuljahr abgebildet. Es machen etwa 250 Schulen und 3.000 KollegInnen mit. Dies entspricht ca. acht Prozent aller Schulen bzw. fünf Prozent aller Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen. Die Teilnahmequote bei Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien ist auf jeden Fall ausreichend für repräsentative Ergebnisse, bei Haupt-/Real- und Oberschulen sowie Förderschulen wird es knapp, bei Berufsbildenden Schulen wird es exemplarische, aber keine repräsentativen Ergebnisse geben.

 

Wer steht für Nachfragen zur Verfügung?
Der Gewerkschaftssekretär Arne Karrasch steht unter arbeitszeit@gew-nds.de für Rückfragen zur Verfügung.