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Lehre und Studium krisenfest machen!

Bei steigenden Infektionszahlen sehen die Hochschulen einem weiteren Ausnahmesemester entgegen. „Lehre und Studium krisenfest machen“ lautet die Aufforderung der GEW an die politisch Verantwortlichen, die sie in einem Positionspapier formuliert hat.

16.10.2020

Die GEW geht davon aus, dass es nicht nur im bevorstehenden Wintersemester keine Rückkehr zum Regelbetrieb geben wird, sondern Studierende und Hochschulbeschäftigte weiter mit Einschränkungen und einem Mix aus Präsenz- und Onlinelehre – einem Hybridstudium – rechnen müssen. Es komme daher jetzt darauf an, Studierende aktiv zu unterstützen, faire Bedingungen für Beschäftigte und andere Hochschulangehörige zu schaffen, die Hochschulen auszubauen, zu modernisieren und fit zu machen fürs „Studium 4.0“, kommentiert der stellvertretende Vorsitzende und Hochschulexperte der GEW, Andreas Keller.

Auch bei der Onlinelehre Betreuungsrelation verbessern

Den Versuchen, mit der Digitalisierung der Lehre Personal einzusparen, möchte die GEW „einen Riegel vorschieben“, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Positionspapier „Lehre und Studium krisenfest machen“. „Onlinelehre ist mindestens genauso zeitaufwändig und ressourcenintensiv wie Präsenzlehre. Gerade unter den Bedingungen weiterer Online- oder Hybridsemester müssen die Betreuungsrelationen deutlich verbessert werden“, heißt es in dem Papier der Bildungsgewerkschaft.

Die Lage könnte sich in den kommenden Semestern dadurch verschärfen, dass aufgrund des Wegfalls der „Work-and-Travel-Phasen“ zwischen Abitur und Studium noch mehr Studienberechtigte an die Hochschulen strömen, gibt die GEW zu Bedenken. Dabei habe man es schon heute mit einem Studienplatzmangel zu tun, der sich einem flächendeckenden Numerus clausus ausdrücke und auch durch Hochschulpakt und Zukunftsvertrag nicht behoben würde, mahnt die Gewerkschaft. Die Herausforderung eines Ausbaus der Hochschulen sei dadurch noch dringender geworden.

Wenn eine wachsende Mehrheit eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium aufnimmt, werde auch die individuelle Betreuung und Beratung der Studierenden immer wichtiger, so die GEW. Allen Studierenden müssten die gleiche Chancen haben, am Onlinestudium teilzunehmen. „Studierende, die nicht über adäquate Arbeitsmöglichkeiten zuhause verfügten, sollten auf Arbeitsplätze und Endgeräte zurückgreifen können, die die Hochschulen zur Verfügung stellen“, schlägt daher die Bildungsgewerkschaft vor.

Aktive Unterstützung der Lehrenden

Dabei dürfen die Lehrenden nicht allein gelassen, sondern müssen aktiv unterstützt werden: durch eine faire Anrechnung der Onlinelehre auf die Lehrverpflichtung, durch technischen Support und hochschuldidaktische Fort- und Weiterbildungsangebote, durch Hygienepläne für die sichere Arbeit in Hörsaal, Labor oder Büro auf dem Campus und durch die Einrichtung von Telearbeitsplätzen, wenn das Homeoffice zum Dauerzustand wird.

Mit Sorge sieht die GEW, dass ausgerechnet im Pandemiejahr 2020 die Kompensationsmittel für die bereits 2006 aus dem Grundgesetz gestrichene Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau auslaufen. „Die Abschaffung der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau muss rückgängig gemacht und analog zum Digitalpakt für die Schulen ein Hochschuldigitalpakt aufgelegt werden“, fordert die Bildungsgewerkschaft.