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Pressemitteilungen GEW


18. September 2007
Bildungsgewerkschaft zur OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2007“: Deutschland muss mehr Lehrkräfte besser ausbilden


GEW: „Deutschland bleibt Weltmeister in sozialer Auslese“


Mit Blick auf die heute vorgestellte Studie „Education at a glance 2007“ hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angemahnt, die Zahlen der OECD endlich als deutliches Warnsignal und Handlungsanregung zu verstehen. „Die erschreckende Botschaft der Untersuchung lautet erneut: Deutschland bleibt Weltmeister in sozialer Auslese. Akademikerkinder etwa bleiben an den Hochschulen weitgehend unter sich. Wer eine Studienanfängerquote von 40 Prozent erreichen will, muss so schnell wie möglich in der Bildungspolitik grundlegend umsteuern. Chancengleichheit muss verbessert, die Selektionsmechanismen des Bildungs- und Schulsystems müssen abgebaut werden: Das sind die Knackpunkte“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Dienstag. „Wir haben zu wenig hochqualifizierte Menschen, leisten uns aber ein hochselektives Schulsystem, das insbesondere Kinder aus sozial schwächeren Familien und Migrantenhaushalten ausgrenzt. Migrantenkinder liegen in ihren Leistungen laut PISA-Studie rund zwei Schuljahre hinter deutschen Schülern zurück. Das birgt immensen gesellschaftlichen Sprengstoff in sich, Deutschland verschleudert seine Potenziale.“ Alle Kinder müssten von Anfang an besser individuell gefördert werden, wohlmeinende Appelle bringen keinen einzigen jungen Menschen zusätzlich an die Hochschulen. Die Zahl der Studienabbrecher zu senken und die Chinesische Mauer zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung einzureißen, seien zwar richtige Maßnahmen, müssten aber durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel unterfüttert werden.

„Um das Schulsystem weiter zu entwickeln und den Bildungsschatz aller Menschen zu heben, brauchen wir mehr und besser ausgebildete Lehrkräfte. Deutschland bildet jedoch viel zu wenig Lehrkräfte aus. Selbst der Ersatzbedarf durch aus dem Dienst ausscheidende Lehrkräfte wird bei weitem nicht gedeckt, wie die OECD-Zahlen zeigen“, stellte Thöne fest. „Das ist die Quittung für jahrelanges Madigmachen des Berufes und ständige Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Jetzt muss die Akzeptanz des Lehrerberufes erhöht werden. Um junge Menschen für diesen interessanten und anspruchsvollen Beruf zu gewinnen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen – von der Arbeitszeit bis zur Bezahlung.“ Wer sinnvolle Konsequenzen aus der Studie ziehen will und ein ernsthaftes Interesse an einer höheren Bildungsbeteiligung und -qualität hat, muss endlich die Lehrerbildung reformieren und jungen Menschen attraktive Zukunftsangebote machen.

Der GEW-Vorsitzende unterstrich, dass die notwendige Wende in der Bildungspolitik nicht ohne mehr Geld zu haben ist: „Ausgaben für das Bildungswesen sind Zukunftsinvestitionen. Andere Staaten haben das längst erkannt, mehr Mittel in die Bildung gesteckt und sind an der Bundesrepublik vorbeigezogen. Ohne mehr öffentliche Gelder wird Deutschland seinen Rückstand nicht aufholen. Ohne mehr öffentliche Gelder, um allen Menschen den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung zu ermöglichen, werden sich die ökonomischen und sozialen Probleme in der Bundesrepublik verschärfen.“ Die Studie belegt, dass die Bildungsausgaben in Deutschland weit unter dem OECD-Schnitt liegen und – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – prozentual in den vergangenen zehn Jahren zurück gegangen sind.




   
   
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