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Allgemein bildende Schulen

 

13. November 2007
GEW fordert dritte Sportstunde und eine andere Unterrichtskultur

Sport macht schlau, Kunst macht klug..! „Weiche Fächer“ im Abseits?


„Wie sinnvoll oder sinnlos gehen wir mit Zeit in der Schule um“? ,  fragte der ehemalige Leiter des didaktischen Zentrums der Carl v. Ossietzky Universität  Oldenburg , Detlef Spindler im Rahmen der GEW Fachtagung  „Sport macht schlau, Kunst macht klug…! „Weiche Fächer“ im Abseits? “ .  Er brachte damit auf den Punkt, was sich die 120 VertreterInnen der „weichen Fächer“, Kurzfächer oder „Nebenfächer“ wie z.B. Sport, Kunst, Musik oder Hauswirtschaft  auch zunehmend fragen, die aus allen Teilen des Landes nach Hannover gekommen sind. Neben dem Hauptvortrag: „ Das bewegte Hirn“ - Anmerkungen der Hirnforschung zu Bewegung, Denken und Lernen  von Prof. Dr. Martin Korte aus Braunschweig gab es sechs Arbeitsgruppen – von „Bewegter Schule“ mit Hermann Staedler und Nadine Selmonds über „Zugänge zu Bildern – Kunst macht kompetent “ mit Fritz Seydel,   „ Formen und Fühlen wie Giacometti“ – eine AG, in der mit Hilfe von Kerstin Albes Bielenberg Skulpturen hergestellt wurden und „Klatschen ,Trommeln, Musizieren- Rhythmus& Co“ mit Kerstin Wassermann  bis zu „ Offene Schule – offene Räume“ (Detlef Spindler und Jürgen Koch) , in denen  Antworten auf diese Fragen gesucht wurden. Einig waren sich alle darin, dass ein Perspektivwechsel auf eine neue Unterrichtskultur und auf das Einlassen auf die vielfältigen – auch kulturellen- Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler notwendig sei. Prof. Dr. Korte konnte dabei außerordentlich überzeugend mit Zahlen, Daten und Fakten ( ZDF) und nicht nach dem Motto ARD ( Alle Reden Darüber) deutlich machen, dass ein solcher ganzheitlicher Ansatz keineswegs leistungsfeindlich oder –mindernd sei, sondern mindestens den gleichen Erfolg verspräche wie die Konzentration auf reinen Fachunterricht.




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Der stellvertretende Vorsitzende der GEW Niedersachsen – Michael Strohschein- wies auf den Zusammenhang zwischen der politisch gesellschaftlichen Entwicklung und der Notwendigkeit einer anderen individualisierten Unterrichtskultur hin.

Entstanden sei diese Tagung im GEW Referat „ Allgemeinbildende Schulen“ in Verbindung mit der GEW Sportkommission als Protest gegen die Verengung des „ Bildungsauftrages“ des Niedersächsischen Schulgesetzes auf „ Outputorientierung“ und betriebswirtschaftliche Kennziffern , wie sie im öffentlichen Diskurs  vielfach vorgenommen würde. Da würden im Großen, im nationalen und internationalen Maßstab , viel zu häufig PISA und OECD Studien bemüht , um einen Rankingplatz in der internationalen Qualitätsdebatte zu begründen. Und da würden im Kleinen , in Niedersachsen, „ harte Fächer“, Hauptfächer oder Langfächer wie Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen oder Naturwissenschaften in Vergleichsarbeiten, Abschlussarbeiten und Tests als alleinige Gradmesser für die Bildungsqualität genommen. „ Weiche Fächer“ drohten dabei in den Schatten zu geraten. „ „Diese Debatte ist durch diverse Änderungen der Parameter bei den diesjährigen Abschlussarbeiten in Mathematik durch das Kultusministerium bis zur Absurdität gesteigert worden“, so Strohschein . Er erinnerte auch an die gescheiterten und skurrilen Versuche des Kultusministeriums mit Hilfe des landesweiten „Fitnesstestes“ den Sportunterricht zu „ entschulen“. Die didaktische Transformation der Gegenstände „ weicher Fächer“ sei und bliebe eine Aufgabe von Fachkräften in der Schule in der Zuständigkeit und Verantwortung des staatlichen Bildungsauftrages und dürfe nicht „ausgelagert“ oder marginalisiert werden, forderte Strohschein auch mit Blick auf die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung. Diesen schärfte Prof.Dr.Korte nachdrücklich mit seinem Vortrag, in dem er eingangs feststellte, dass der Begriff der Intelligenz undefiniert sei und Intelligenz immer das sei , was gemessen würde. Diese Messung könne  sich auf logisch mathematische, musikalische, körperliche oder personale Fähigkeiten und Fertigkeiten beziehen. Gleichwohl könne festgestellt werden, dass es eine klare Beziehung zwischen Sport , Intelligenz und Gehirn gäbe. Die sequentielle Planung von Bewegungsabläufen sei von genereller Natur und beispielsweise auch wichtig für Sprachsequenzen. Die hochkomplexe ballistische Wurfbewegung hätte hohe Bedeutung für Sprache, Motorik und die grammatikalische Voranalyse. Wichtig seien im Sport wie beim Spracherwerb,  Sequenzen in ein Ziel einzubinden. Bewegungsreize seien allemal Wachstumsreize für die Nervenverbindungen ( Synapsen) und die Nervenzellenbildung. Ideal für diese Reize seien körperliche Zuwendung und  Bewegung. Kinder und Jugendliche würden sich im Durchschnitt nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren bewegen . Dieser Bewegungsmangel könne für die Hirnentwicklung keinesfalls  durch didaktisches Unterrichtsmaterial und die visuellen Reize der neuen Medien ausgeglichen werden . Die Ausschüttung der körpereigenen Opiate nach der Lust an der Bewegung könne durch nichts ersetzt werden, meinte Dr.Korte und warb eindringlich für mehr Sport und Bewegung in der Schule. Aber auch in der Musik würden sequentielle Abläufe trainiert, die beispielsweise von hoher Bedeutung für die Verknüpfung der rechten und linken Hirnhälften seien. In der lebhaften und intensiven Diskussion machte Prof. Dr. Korte noch einmal deutlich , dass das Bewegungsdefizit unbedingt ausgeglichen werden müsse. Hierzu sei nicht nur eine dritte Sportstunde im Stundenplan  nötig , sondern auch ein Gesamtkonzept, dass es ermögliche, Bewegungseinheiten in einen anderen Unterrichtsalltag integrieren zu können. Aus der Mitte der  Versammlung wurde als eine konkrete Konsequenz aus den Ausführungen von Prof. Dr. Korte die Mindestforderung nach der dritten Sportstunde für alle Schulstufen erhoben. Am Ende der Tagung, die von Birte Clasen, Barbara Biadacz Henning und Michael Strohschein vorbereitet worden war, war überdeutlich geworden, dass sich jede Schule pädagogisch und wirklich eigenverantwortlich und nicht fiskalisch und verwaltungstechnisch in einem produktiven Wechselspiel mit allen Akteuren öffnen und entwickeln müsse. Hierzu gehöre auch die Gestaltung des „Lebensraumes“ der Schule. Es sei ein außerordentlich sinnvoller Umgang mit der Zeit in der Schule, wenn man die „ weichen Fächer“ nicht entkerne. Deren Bedeutung zum „ begreifenden Umgang“ mit den Dingen zum Denken und Lernen und nicht zuletzt zur Lebensbewältigung der Schülerinnen und Schüler steige stetig.




weitere Informationen

Der Vortrag von Prof. Dr.Korte, die Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaften und die Presseerklärung zur Veranstaltung sind hier verfügbar


 

 




   
   
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