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Gesamtschule in Niedersachsen


16. Januar 2008
IGS-Fieber in Schaumburg


Schulzentren wollen Integrierte Gesamtschulen werden



Die Ankündigung von Ministerpräsident Christian Wulff, nach der Landtagswahl das Schulgesetz zu ändern, um neue Gesamtschulen wieder errichten zu können, löste im Schaumburger Land vielfache Aktivitäten aus. Vor allem die Schulzentren, es handelt sich hier um verbundene Haupt- und Realschulen im eher ländlichen Bereich, machten sich auf den Weg. Sie möchten Integrierte Gesamtschulen werden.

Die Gesamtkonferenz der Haupt- und Realschule in Obernkirchen hat sich mit 86 Prozent für eine Gesamtschule ausgesprochen. Das Kollegium favorisiert mehrheitlich eine IGS. Die Schule hofft, dass die politische Entscheidung bald fällt. „Dann wären wir durchaus in der Lage, im Sommer 2008 zu starten“, sagte der Schulleiter gegenüber der Presse. Die Schule wird von der Politik kräftig unterstützt. „Weitere Gesamtschulen sind in Schaumburg dringend erforderlich“, sagte der Bürgermeister der Bergstadt. Der Fraktionsvorsitzende der SPD ergänzte: „Eine Gesamtschule wäre für die weitere Entwicklung unserer Stadt von erheblichem Vorteil, da hiermit auch bei potentiellen Neubürgern geworben werden könnte“. Die Stadt will sich vorbereiten, um nach dem Wegfall des Errichtungsverbotes für Gesamtschulen „schon zum 1. August nächsten Jahres eine Gesamtschule anbieten zu können“. Der Beschluss im Stadtrat wurde einstimmig gefällt. „Man hat nicht viele Chancen im Leben, diese sollten wir nutzen“, äußerte der Bürgermeister von der SPD und erhielt Zustimmung von allen Fraktionen und Gruppen.

„Das Kollegium und der Schulvorstand haben sich mit großer Mehrheit für die Umwandlung unserer Schule in eine Integrierte Gesamtschule ausgesprochen“, erklärte die Schulleiterin der Haupt- und Realschule in Rodenberg. Die IGS habe den Vorteil, eine Schule für alle zu sein, in der gefördert und gefordert werden könne ohne dass die Schüler eines Jahrgangs aus ihren Klassenverbänden gerissen würden. Schüler würden nicht gleich auf einen Bildungsweg festgelegt. „Ich sehe meinen Einsatz für eine IGS als Verantwortung für meine Schüler“, erklärt die Schulleiterin. Eine Arbeitsgruppe hat sich bereits gebildet. „Wir stehen in den Startlöchern“, heißt es von der Schule. Die Mitglieder des Samtgemeinderates haben sich dann auch einstimmig für die Einrichtung einer Gesamtschule in Rodenberg zum 01.08.2008 ausgesprochen. „Etwa 30 Prozent aller Schüler aus dem Rodenberger Raum werden jedes Jahr für einen Besuch der IGS in Stadthagen angemeldet. Meist ohne Erfolg“, berichtete der Samtgemeindebürgermeister in der Ratssitzung.

„Eine Gesamtschule bietet ,Spätzündern’ die verdiente Möglichkeit aufzuholen. Jedes Jahr, das vertan wird, ist ein verlorenes Jahr. Wir sollten diese Chance wahrnehmen, dann fällt mir ein Stein vom Herzen“, wird ein SPDRatsherr in der Presse zitiert. Eine Ratsfrau von „WIR für Rodenberg“ wird in der Presse mit der Aussage zitiert „Ein Riesenvorteil einer Gesamtschule in Rodenberg entsteht zudem durch die geringeren Fahrtkosten für die Schüler“. Auch dieser Aspekt ist nicht unwichtig, er wird zunehmend bedeutsamer. Gleich in seiner ersten Sitzung hat der neu gebildete Schulvorstand der Haupt- und Realschule Helpsen sich „ohne Wenn und Aber“ zur Umwandlung in eine IGS bekannt. „Die Zweifel – besonders in der Eltern- und Lehrerschaft – ob das dreigliedrige Schulsystem noch eine Zukunft hat, sind gravierend“, berichtet der Schulleiter und ergänzt: „Die Anmeldungen zur Hauptschule gehen stark zurück. Der Schulstandort muss aber für eine wohnortnahe Beschulung erhalten bleiben“, fordert der Schulleiter. Es seien keine baulichen Veränderungen notwendig und man könne zum Schuljahr 2008/09 starten. „Wenn der Landkreis als Schulträger dem Antrag der Samtgemeinde zustimmt, beginnen wir unverzüglich mit der Entwicklung eines pädagogischen Konzepts, um es rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr vorstellen zu können“, verspricht der Schulleiter. Der Samtgemeinderat Nienstädt hat im November einstimmig(!) beschlossen: „Das Schulzentrum Helpsen soll IGS werden“! Der Samtgemeindebürgermeister von der SPD hofft, dass „bei einer Umwandlung des Schulzentrums zur Gesamtschule auch manche Eltern-Entscheidung anders ausfällt“. Der CDU-Fraktionschef stellte zum Stichwort Gesamtschule klar: „Ich begrüße das“, und merkte zum jetzigen System an: „Man kann einem zehnjährigen Kind nicht vorschreiben, welchen Bildungsweg es wählen muss.“ Die Grünen sehen in der demographischen Entwicklung einen entscheidenden Grund, die Schulform zu wechseln sowie „weniger Selektion und mehr Integration zu betreiben“.

Auch in der Haupt- und Realschule Lindhorst steht die Gesamtschule auf der Tagesordnung. Der Schulleiter spricht sich für eine „realitätsbezogene Diskussion“ aus und möchte eine IGS-Debatte erst führen, wenn nach der Landtagswahl im Januar 2008 das Schulgesetz geändert und die Gründung neuer Gesamtschulen überhaupt möglich werde. Im Fall des Lindhorster Schulzentrums ist aus der Sicht des Rektors eine pädagogische Aufwertung nötig. So sieht es auch die örtliche CDU. „Wir müssen mit ins Boot“, sagte der CDUFraktionsvorsitzende in der Samtgemeinde Lindhorst. Mit dem „Boot“ meint er die mittlerweile drei Bewerber (s.oben!) im Landkreis für neue Gesamtschul-Standorte. Dazu muss nach Meinung des CDU-Politikers „auch Lindhorst gehören“. Der parteilose Samtgemeindebürgermeister verweist auf den schwächelnden Zulauf zur Hauptschule. Hier müssen im nächsten Schuljahr möglicherweise Fünft- und Sechstklässler in einer Gruppe unterrichtet werden. Die Sozialdemokraten halten die Gesamtschule für „keine schlechte Sache“. Schulträger für die Schulen im Sekundarbereich I und II, also auch für Gesamtschulen, ist der Landkreis Schaumburg. Hier hat der Kreisausschuss im Dezember beschlossen, nach „Maßgabe des Bedürfnisses, möglichst zum 1. August 2008 weitere Gesamtschulen einzurichten“. Bleibt zu hoffen, dass der Landkreis als Schulträger die Antragsteller unterstützt und entsprechend beschließt. Dies hätte eine landesweite Signalwirkung.






 

 

 






   
   
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