08.
Januar 2007
Beschluss des Geschäftsführenden Vorstandes
Für offene Hochschulen ohne Studiengebühren!
Unsere Gesellschaft braucht aber nicht weniger, sondern deutlich mehr Akademikerinnen
und Akademiker.
1. Die GEW Niedersachsen lehnt Studiengebühren jeder Art ab
und tritt für die Gebührenfreiheit des Hochschulstudiums
ohne Wenn und Aber ein.
Studiengebühren schrecken insbesondere junge Menschen aus einkommensschwachen
und bildungsfernen Schichten, aber auch immer häufiger aus Mittelstandsfamilien,
von der Aufnahme eines Studiums ab und führen zu einer Erhöhung
der Abbruchquote.
Studiengebühren erhöhen den Druck schnell zu studieren,
damit der Schuldenberg nicht ins Unendliche steigt. Wer deswegen
zusätzlich arbeiten muss, gerät in einen Teufelskreis,
weil man deswegen mehr Zeit für das Studium benötigt und
dadurch auch länger oder so gar mehr Gebühren (Langzeitstudiengebühren)
bezahlen muss.
Das Angebot, mit Studiendarlehen die Gebühren auf Pump zu bezahlen, ändert
daran nichts: Junge Menschen, die Arbeitslosigkeit und finanzielle
Engpässe aus der eigenen Familie kennen, schrecken davor zurück,
sich durch ein Studium stark zu verschulden.
Die Studierfähigkeit ist mit Kreditwürdigkeit gleichgesetzt.
So sind ausländische Studieninteressierte aus Nicht-EU-Staaten
und Menschen, die älter als 31 Jahre sind, gesetzlich von der
Kreditvergabe ausgeschlossen.
Verstärkt drängen viele Hochschulzugangsberechtigte in
die berufliche Bildung. Die Leidtragenden von Studiengebühren
sind damit verstärkt Haupt- und Realschülerinnen und -schüler,
für die es schwieriger wird, einen Ausbildungsplatz zu finden.
2. Die GEW Niedersachsen unterstützt den Kampf von Studierenden
und anderen Mitgliedern von Hochschulen und Gesellschaft gegen die
Einführung von allgemeinen Studiengebühren.
Für die GEW Niedersachsen stellt der Boykott von Studiengebühren
ein wirksames und legitimes Mittel kollektiver Interessenvertretung
dar, der die Chancen des Widerstandes erhöht, wenn viele Studierende
für die Teilnahme gewonnen werden.
3. Die GEW Niedersachsen fordert die Landesregierung
zur sofortigen Rücknahme dieser ungerechten Studiengebühren
auf.
Um die Chancengleichheit zu verbessern, müssen soziale Zugangsschwellen
zur höheren Bildung abgebaut werden und die soziale Infrastruktur
an den Hochschulen ausgebaut werden. Ein erster Schritt hierzu ist
die sofortige Abschaffung von Studiengebühren.
Insgesamt muss das Studienplatzangebot qualitativ und quantitativ
so ausgestaltet werden, dass alle Hochschulzugangsberechtigten des
Landes einen Studienplatz erhalten können. Damit wird die permanente Überlast
in einer Vielzahl von Fachrichtungen und Studiengängen, d.h.
vor allem die Unterausstattung, bezogen auf Personal, Räume
und Sachmittel, die die Qualität von Lehre und Studium drückt,
zu bekämpfen sein.
Die GEW Niedersachsen setzt sich dafür ein, dass alle Studienberechtigten
gerechte Zugangschancen zu den Hochschulen haben. Hierzu gehört
auch der Ausbau sowie staatliche Förderung der wirtschaftlichen
und sozialen Infrastruktur für Studierende. So muss dringend
das BAföG an die gestiegenen Lebenshaltungskosten der Studierenden
angepasst und darüber hinaus der Ausbau eines leistungsfähigen,
einfachen, transparenten und verlässlichen Studienfinanzierungssystems
in staatlicher Verantwortung gesichert werden.