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Pressemitteilungen GEW




09. März 2007

GEW: „Master-Plan“ des „Aktionsrates Bildung“ zielt ab auf größtmögliche Wirtschaftsförmigkeit des Bildungssystems


Die Katze ist aus dem Sack

Die Katze ist aus dem Sack. Der jetzt vom „Aktionsrat Bildung“ der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vorgelegte „Master-Plan“ für den Umbau des Bildungssystems ist nicht der erste und bestimmt nicht der letzte Vorstoß zur Durchsetzung größtmöglicher Wirtschaftsförmigkeit der Bildungseinrichtungen, den Parteigänger privatwirtschaftlicher Interessen unternommen haben. Kaum ein Papier legt allerdings wie dieses offen, wohin die Reise wirklich gehen soll. Kritiker der sog. Bertelsmannisierung des Bildungswesens dürfen sich in ihren Befürchtungen bestätigt sehen.

Der „Aktionsrat Bildung“ greift verschiedene Problembereiche, Unzulänglichkeiten und Widersprüche des Bildungssystems auf, bietet jedoch keine Lösung nach vorn an im Sinne der Berücksichtigung der Belange möglichst vieler Betroffener, sondern propagiert Regelungen, die vor allem im Interesse seiner Auftraggeber liegen.

Seit Jahren schon wird einerseits versucht, die Privatwirtschaft von öffentlichen Zumutungen wie Steuern, Auflagen etc. weitestgehend zu entlasten und andererseits öffentliche Einrichtungen entweder zu privatisieren oder darauf hinzuwirken, dass sie mit verknappten Ressourcen und stärker hierarchisch wie private Betriebe geführt werden.

Einmal mehr wird auch vom „Aktionsrat Bildung“ der Irrglaube verbreitet, Schulen würden dadurch besser, dass sie wie Wirtschaftsbetriebe organisiert werden. Die Vorschläge Lehrkräfte leistungsbezogen zu bezahlen und nur noch befristet zu beschäftigen laufen in Wirklichkeit darauf hinaus, auch die pädagogischen Arbeitskräfte noch stärker als bisher unter Wert zu bezahlen und eine Hire and Fire-Praxis zu etablieren.

Die Kritik am dreigliedrigen Schulsystem ist nur vordergründig betrachtet progressiv. Der „Aktionsrat Bildung“ will die Sortierwirtschaft im Bildungswesen nicht wirklich aufheben, sondern nur in neuer Form zementieren. Zwar ist auch der bayrischen Wirtschaft nicht entgangen, dass der Anteil höherer Qualifikationen und Abschlüsse am künftig benötigten Arbeitsvolumen größer ausfallen wird und muss, aber deshalb werden noch längst nicht umfassendere Bildungsmöglichkeiten für alle ohne Ausgrenzung unterstützt. Die materiellen und gesellschaftspolitischen Kosten einer besseren Bildung für alle werden auch von ihren Parteigängern unverändert gescheut. Von Schritten in die richtige Richtung kann hier keine Rede sein.

Auch der alte Traum, dass Studenten ihre Studierfähigkeit über Tests bei den Hochschulen oder speziellen Testfirmen nachweisen sollten, hat mit der Überwindung von Selektion nichts zu tun.

Dass das Gewicht der Elementarerziehung gestärkt und Kitas beitragsfrei angeboten werden müssen, ist richtig. Auch eine Hochschulausbildung der Erzieherinnen und Erzieher ist überfällig.
Die Vorschläge des „Aktionsrates“ laufen letztlich jedoch darauf hinaus, die Schule aus Gründen einer anderen Lernzeitökonomie in den Elementarbereich vorzuziehen.
Nicht Verschulung der Elementarbildung ist notwendig, sondern deren Ausgestaltung nach ganzheitlichen Bildungsgesichtspunkten bei altersgemäßer Betonung des spielerischen Lernens.

In puncto Wirtschaftsförmigkeit und Zementierung von Ungleichheit lässt der „Master-Plan“ des „Aktionsrates Bildung“ keine Zweifel offen. Die Beschäftigten des Bildungssystems und nicht nur sie wissen jetzt einmal mehr, was auf sie zukommen kann. Sie werden sich zu wehren wissen.


 

   
   
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