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Hochschule / Lehrerausbildung 08.
Dezember 2009 Lehrerausbildung sollte zur Zeit das Thema Nummer eins sein, denn die Lehrerversorgung ist jetzt und in den nächsten Jahren eines der größten Probleme an den Schulen. „Gute Lehrerinnen und Lehrer braucht das Land“, so heißt es daher zutreffend in der EuW Niedersachsen 9/2009. Bildung bleibt Reparaturbetrieb Auch rückblickend kann eigentlich nur das niederschmetternde Urteil gefällt werden, dass die Bundesrepublik Deutschland ein gut funktionierendes, den Anforderungen der Gesellschaft angemessenes Schulsystem und ein dementsprechendes Konzept der Lehrerbildung seit 1945 nicht zustande gebracht hat. Nach der Rekonstruktion des wilhelminisch-ständischen dreigliedrigen Systems mit kriegsbedingtem Lehrermangel gab es erstmals in den 70erJahren auf Druck von Öffentlichkeit und Industrie eine - wenn auch aufgrund unterschiedlicher Interessen inkonsequente - Rückbesinnung auf die bemerkenswerten Reformbestrebungen der Weimarer Republik. Erste Gesamtschulen wurden gegründet, die Oberstufenreform wurde begonnen, die Lehrerausbildung wurde zum Teil reformiert, Lehrergehälter angehoben. Ein Hoffnungsschimmer. Der in diesem Kontext aufgelegte Bildungsgesamtplan scheiterte allerdings bereits 1982, da kein gesellschaftlicher Zukunftskonsens zwischen den Parteien und Bundesländern gefunden wurde. Der ambitionierte Modellversuch einphasige Lehrerausbildung in Oldenburg und Osnabrück wurde 1981 abgebrochen. Die Gutachten von Ewert, Furck und Ohaus empfahlen noch, Erfahrungen aus dem auf Vernetzung von Wissenschaft und Praxis ausgerichteten Modell in die zweiphasige Lehrerausbildung zu übernehmen. Dies ist jedoch kaum geschehen. Kein gesellschaftlicher Zukunftskonsens Immerhin führte die Reformstimmung der 70er Jahre zu einem Boom des Lehramtes. Die angeworbenen Lehrerinnen und Lehrer wurden dann aber bald für überflüssig erklärt, da man nicht die Chance nutzte, mit ihnen unter besseren Bedingungen eine zukunftsweisende Schule zu entwerfen und zu entwickeln. Anstatt, wie wohl in Finnland geschehen, die Kapazitäten zu nutzen, um das Schulsystem weiterzuentwickeln, entließ man hoch qualifizierte und motivierte Fachkräfte jahrelang in andere Berufe, wofür der Taxi fahrende Lehrer und der Mathematiklehrer in der Versicherung typische Beispiele darstellen. Lehramtsstudiengänge wurden sogar abgebaut oder geschlossen, weil angeblich kein Bedarf da sei. Auch wurde der Beruf durch ein Negativimage unattraktiv gemacht („Faule Säcke“). Die Kurzsichtigkeit dieser Entscheidungen wurde bald offenbar, denn bereits in den 90er Jahren mangelte es selbst aus Sicht des Ministeriums an Lehrerinnen und Lehrern. Hier liegt bereits die Ursache für die heutige Misere. Zur angeblich kurzfristigen Behebung des sichtbaren Notstands in der Lehrerversorgung wurde von der damaligen Kultusministerin Frau Jürgens-Pieper 1998 das Arbeitszeitkonto aus der Taufe gehoben. Dieses Modell, als eine Art „atmende Personalsteuerung“ entgegen den Forderungen der Gewerkschaften nach Einstellung von mehr Lehrerinnen und Lehrern eingeführt, kann nur auf einer Fehlrechnung beruhen. Tatsächlich wird die erst kürzlich erkämpfte Rückgabe der Stunden aus dem Arbeitszeitkonto an die Kolleginnen und Kollegen durch Unterrichtsausfall erkauft, da man nicht über die notwendigen Ressourcen an den Schulen verfügt. Der Mangel ist zur Methode geworden Wer Lehrerinnen und Lehrer haben will, muss sich beizeiten um deren Ausbildung kümmern. Notversorgung auf dem Rücken der Betroffenen Das beginnt damit, dass den hohen Zuweisungen an den Seminaren nicht die entsprechenden Ressourcen folgen. Man verlässt sich offenbar darauf, dass die im Seminar Beschäftigten Überstunden leisten, ohne zu murren, wobei beständig gegen den Fachleitererlass verstoßen wird. Dazu nimmt die Zahl der schlechter bezahlten Mitwirkerinnen und Mitwirker gegenüber den höher dotierten Fachleitern kontinuierlich zu. Die Sekretariate werden nur geringfügig oder gar nicht aufgestockt, obwohl die Arbeit sich zum Teil verfünffacht hat.
Ohne Rettungsring ins kalte Wasser geworfen In Zukunft sollen Referendarinnen und Referendare generell am 1.2. und 1.8. zugewiesen werden, womit sie mit eigenverantwortlichem Unterricht sofort und ohne Rettungsring ins kalte Wasser geworfen werden. In einer ihnen bis dahin weitgehend unbekannten Schulrealität sollen sie sich spontan und ohne Vorbereitung bewähren. Ein paar Tage Crashkurs am Seminar sollen nach den Vorstellungen des Ministeriums ausreichen, um Grundlagen für den Einstieg zu legen. Ist es ernsthaft vorstellbar, dass es gut funktionieren kann, wenn die Referendarinnen und Referendare eine Woche nach Dienstantritt sofort mit z. B. 6 Stunden eigenverantwortlichem Unterricht beginnen müssen? Bei den meisten löst dies nicht nur einen Schock aus, sie kommen auch in eine reale und kognitive Dissonanz mit dem, was im Seminar als Anforderung an guten Unterricht vermittelt wird. Während wir vermitteln, dass guter Unterricht eine ordentliche Vorbereitung voraussetzt, wird ihnen praktisch abverlangt, ohne Vorbereitung in den Unterricht zu gehen. Weitere Folgen sind, dass sich elementare handwerkliche Fehler festsetzen, die bisher durch den dreimonatigen Ausbildungs- und Hospitationsvorlauf vermieden werden konnten. Gegenüber jüngeren Schülerinnen und Schülern kann es zu hilflosen Situationen kommen, wenn die frisch Eingestellten noch nicht über das professionelle Handwerkszeug verfügen, um mit Unterrichtsstörungen fertig zu werden. Ihre erste Erfahrung in dem vielleicht ersehnten Beruf ist dann oftmals ein Scheitern, das durch ausreichende Zeit der Vorbereitung im Seminar leicht hätte vermieden werden können. Einschnitte in die Ausbildungsqualität Entlastungsangebote der Landesregierung für Seminare haben leider insgesamt den Pferdefuß, dass sie zugleich eine Qualitätsminderung beinhalten. Abbau der Hausarbeit, Verringerung der Besuche und Minderung der Anforderungen können Fachleitung und Seminarleitung entlasten, führen allerdings zu Einschnitten in der Ausbildungsqualität. Die in den Studienseminaren Tätigen zeigen meist ein hohes Verantwortungsbewusstsein, indem sie versuchen, trotz dieser Situation den Ausbildungsstandard zu halten und trotz hoher Anzahl an Überstunden weiter angemessen zu beraten. Dies kann allerdings kein Dauerzustand sein und führt letztlich zu Frustration und vielleicht Burn-Out. Im Schulalltag überleben Welche Schwierigkeiten die Einstellung dieser Kollegin für die Stundenplanung in der Schule bedeutet, zeigt zudem an, dass die verschiedenen Ebenen extrem ineinander verwoben sind, denn die Problematik wird auf allen Ebenen wirksam. Die Seminare, die für die Lehrerversorgung sorgen sollen, leiden unter der Mehrarbeit. Die Schulen können keine Kontinuität in der Versorgung sichern und müssen eine komplizierte Organisation bewältigen, da viele Einstellungstermine eine ständige Stundenplanumstellung erfordern. Außerdem entstehen Probleme, weil junge Lehrer und Lehrerinnen mehr Beratung brauchen, obwohl dafür niemand Zeit hat. Zuletzt sind es die Schülerinnen und Schüler, die unzulänglichen Unterricht von gestressten und überforderten Lehrkräften bekommen.
Studienseminare sollten Orte der Innovation sein Sollten nicht die Studienseminare die Orte der Innovation sein, an denen die Ausbilder und Ausbilderinnen Zeit dafür aufwenden, auf dem neuesten Stand der didaktischen Fachdiskussion selbst innovative Unterrichtskonzepte zu entwerfen, zu initiieren und durchzuführen? Sollte nicht gemeinsam mit den Referendarinnen und Referendaren an Konzepten einer zukünftigen Schule gearbeitet werden? Stattdessen bekommen die Seminare die Funktion eines „Durchlauferhitzers“, da wir möglichst schnell möglichst viele Lehrkräfte in die Schule bringen sollen. Erste und zweite Phase besser verzahnen Eine alte Forderung ist es, dass im Sinne einer Praxisorientierung die erste und zweite Phase besser verzahnt werden. Ideen dafür werden in dem Aufsatz von Heidenreich, Köpke und Spindler in der EuW Niedersachsen 9/09 entwickelt. Hier sollten wir ansetzen und dafür entsprechende Ressourcen und Anstrengungen fordern.
In den Fächern des dringenden Bedarfs sind in den Fächern Französisch, Physik Chemie, Musik, Technik (Grundschule, Haupt- und Realschule) alle Bewerber/innen eingestellt worden, im Gymnasialbereich in den Fächern Latein, Physik und ev. Religion. Mit dem Lehramt für Realschulen wurden in den Fächern Physik und Chemie alle Bewerber/innen bis zum Notenschnitt von 1,4 eingestellt.
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