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Interessenvertretung
12.
November 2009
Vorab-Artikel aus EuW Klassenobergrenzen herabsetzen Entlastung jetzt einleiten Die Klassenfrequenzen in den Niedersächsischen Schulen sind auf einem anhaltend hohen Stand. Die im Oktober veröffentliche Schulstatistik des Kultusministerium zeigt: An Gymnasien und Gesamtschulen war das Jahr 2008 das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten. Raubbau an Arbeitskraft und Gesundheit Die Daten der offiziellen Schulstatistik belegen, was wir tagtäglich spüren. Die chronische personelle Unterbesetzung der Schulen verursacht Raubbau an der Arbeitskraft und Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und des nicht lehrenden Schulpersonals. Die GEW setzt sich deshalb massiv für die Reduzierung der Klassenobergrenzen ein. Die Landesdelegiertenkonferenz hat folgende Zielwerte als Forderung bekräftigt:
Bei integrativem / inklusivem Unterricht müssen die Gruppengrößen zusätzlich reduziert werden und müssen zusätzliche Lehrerstunden zugewiesen werden, wie es dem derzeit gültigen Erlass entspricht. Ein Stufenplan muss jetzt starten Wann und wie soll die Reduzierung der Klassenobergrenzen beginnen? Niemand kann erwarten, dass die Zielwerte in einem Schritt zu erreichen sind. Ein Stufenplan von der 1. Klasse bis zum Abitur muss aber im kommenden Schuljahr beginnen. Ein erster deutlicher Schritt könnte in den Grundschulen vorgenommen werden. In dieser Schulform sinken die Schülerzahlen erkennbar und es sind genügend Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt, um das nötige Personal für diesen Schritt zu gewinnen. Für alle Schulen muss Jahr für Jahr ein Schritt in Richtung der Zielwerte geplant, verbindlich festgelegt und realisiert werden. Wie verhält sich die Niedersächsische Landesregierung gegenüber diesen Vorstellungen? Die GEW begrüßt, dass die Landesregierung sich dieser wichtigen Aufgabe stellt und nimmt die Gesprächsangebote selbstverständlich an. Im Nachbarland Nordrhein-Westfalen sind Gespräche über einen Stufenplan auf einem guten Weg. Es kann also funktionieren, gemeinsam Lösungen zu finden, wenn man will – auch zwischen einer CDU-FDP-Landesregierung und der GEW. Eine Einigung auf den Einstieg in den Stufenplan ist vordringlich. Das Argument der Ministerin, wegen des doppelten Abiturjahrgangs an den Gymnasien wäre 2011 das richtige Jahr, um mit der Reduzierung der Klassenobergrenzen anzufangen, sticht nur bedingt. Immerhin wird an den Gymnasien ab 2011 das Lehrerarbeitszeitkonto zurückgegeben – jetzt wird es noch weiter aufgebaut. Dies wirkt der Entlastung entgegen. Zu große Erwartungen sind deshalb an die Entlastungseffekte nicht zu richten. Und vor allem ist der doppelte Abiturjahrgang kein Argument für die Verweigerung des Einstiegs in einen Stufenplan an den Grundschulen. Ohne eine Verbesserung des Personalschlüssels, ohne den Erhalt aller Stellen und die Einrichtung zusätzlicher Stellen, wird es keine Lösung geben können. Regierung muss Verlässlichkeit beweisen Der Regierung muss klar sein: Die Lehrerinnen und Lehrer, die sozialpädagogischen Fachkräfte, das nicht lehrenden Schulpersonal und die Schulleiterinnen und Schulleiter bringen dieser Regierung nicht gerade großes Vertrauen entgegen. Wenn die Regierung Vertrauen erwerben will, handelt sie klug, wenn sie im Schuljahr 2010 mit einem Stufenplan beginnt und wenn sie diesen dann Jahr für Jahr auch einhält – ohne jede Vorbehalte. Die Landesregierung muss bedenken, dass ihr die Beschäftigen im niedersächsischen Bildungswesen unter den Auspizien der Steuerpolitik der schwarz-gelben Bundesregierung weniger denn ja trauen. Schließlich planen Merkel und Westerwelle Steuersenkungen just zu dem Zeitpunkt, in dem die Steuereinnahmen insbesondere der Länder und Kommunen exorbitant fallen und in dem die so genannte „Schuldenbremse“ ihre Schatten voraus wirft. Die Ausgaben für Bildung sind systemrelevant. Sie dürfen in der Krise nicht abgebaut, sondern sie müssen erweitert werden. Es ist Sache der Landesregierung, Verlässlichkeit gegenüber den Beschäftigten in Schulen, Kitas und Hochschulen gerade in Krisenzeiten zu beweisen. Darum muss der Start eines Stufenplans im kommenden Schuljahr beginnen. Jeder Verzögerung wird der Geruch anhängen, dass die Entlastung auf den St. Nimmerleinstag verschoben wird. Der Niedersächsische Schulleitungsverband hat aus eben diesem Grund darauf bestanden, dass die Entlastung der Schulleiterinnen und Schulleiter sofort und nicht erst 2011 beginnt. Verbesserung der Personalausstattung der Schulen Die Schulen benötigen dringend mehr Lehrkräfte, um die Vertretungs- und Förderkonzepte realisieren zu können, die nicht zu einer zusätzlichen Belastung des vorhandenen Personals führen. Die Reduzierung der Zuweisung von Lehrerstunden, die unter Kultusminister Busemann vorgenommen wurde, muss zurückgenommen werden. Außerdem muss der Ganztagsbetrieb mit dem erforderlichen Personal ausgestattet werden, damit ein vernünftiger gebundener Ganztag an allen Ganztagsschulen realisiert werden kann. Dies erwarten heutzutage die Eltern. Dies fordern die Schulträger, so der Präsident des Niedersächsischen Städtetages, der Lüneburger Oberbürgermeister Mädge bei der Städteversammlung im Oktober. Dazu braucht es den Erhalt aller Stellen sowie die Einrichtung zusätzlicher Stellen. Ohne eine deutliche Entlastung der Lehrkräfte wird es überdies nicht gelingen, den erforderlichen pädagogischen Nachwuchs für die Schulen zu gewinnen. Die Forderungen der GEW nach kleineren Lerngruppen und einer besseren Betreuungsquote gelten selbstverständlich nicht nur für die allgemein bildenden Schulen, sondern auch für die berufsbildenden, die Kindertagesstätten und die Hochschulen. An allen Bildungseinrichtungen leiden Pädagoginnen und Pädagogen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter einer chronischen Überlastung. Tabellen: Klassenfrequenzen Gymnasien Klassenfrequenzen Grundschulen Klassenfrequenzen Hauptschulen Klassenfrequenzen Realschulen Klassenfrequenzen IGS Quelle: Jährliche Schulstatistik des MK „Die niedersächsischen allgemein bildenden Schulen in Zahlen“
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