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Gesamtschule in Niedersachsen


04. Juni 2008
Schul- und Kreisausschuss beschließen drei weitere Integrierte Gesamtschulen

Historische Entscheidung im Landkreis Schaumburg


Das war eine historische Entscheidung: Schul - und Kreisausschuss haben am 3. Juni im Kreishaus des Landkreises Schaumburg drei weitere Integrierte Gesamtschulen zum nächst möglichen Zeitpunkt beschlossen. Landesweit ist dies wohl ein einmaliger Vorgang in der kommunalen Schul- und Bildungspolitik und auch deshalb von überregionaler Bedeutung.

Schon seit langem zeichnete sich im Landkreis Schaumburg ab, dass sich in Sachen Gesamtschulen etwas tun muss. Die Nachfrage nach Plätzen an der bisher einzigen IGS in Stadthagen war seit ihrer Gründung im Jahre 1991 immer extrem hoch. Sie stieg im letzten Jahr gar auf 521 – das bei 112 vorhandenen Plätzen. Fast 80 Prozent der Bewerber mussten im Losverfahren abgelehnt werden.

Das rief den Schulelternrat auf den Plan. In einer von Funk und Fernsehen stark beachteten Veranstaltung in der IGS Schaumburg forderten die Eltern weitere Integrierte Gesamtschulen und richteten entsprechende Schreiben an das Kultusministerium und an den Schulträger, Landkreis Schaumburg. Nicht ohne Erfolg!

Die Gremien des Landkreises beschäftigten sich intensiv mit der Bedarfssituation. Schließlich wurde der Beschluss gefasst, an den Grundschulen im Landkreis Schaumburg eine Elternbefragung durchzuführen. Das Ergebnis dieser Befragung liegt nun vor und bestätigt eindrucksvoll die Annahme, dass die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen bei den Eltern riesengroß ist.

Die Ergebnisse der Elternbefragung:
6824 Schüler/innen in den 1. bis 4. Klassen der Schaumburger Grundschulen haben einen Fragebogen erhalten.
3563 Schüler/innen (52,2 %) haben den Fragebogen zurückgegeben. Das Ergebnis ist damit aussagefähig und repräsentativ.
1902 Schüler/innen (53,4 % der Rückgaben; 27,9 % der Befragten) wünschen eine IGS.
Davon aus Kl.1 408 Sch.
Kl. 2 462 Sch.
Kl. 3 564 Sch.
Kl. 4 468 Sch.
Des Weiteren wünschen Eltern in Schaumburg für ihre Kinder den Besuch einer Kooperativen Gesamtschule (KGS) für 296 Sch. (8,3% der Rückgaben; 4,3 % der Befragten)
Hauptschule (HS) für 72 Sch. (2,0 % - 1,1%)
Realschule (RS) für 286 Sch. (8,0 % - 4,2%)
Gymnasium (GY)für 887 Sch. (24,9 % - 13,0 %)

Da es im Landkreis Schaumburg keine KGS geben wird, kann man getrost davon ausgehen, dass diese Eltern sich dann auch wohl für eine IGS entscheiden werden. Somit erhöht sich die Zahl der IGS-Interessenten auf 2198 (61,7 % der Rückgaben; 32,2% der Befragten). Bei der konkreten Einrichtung weiterer IGS’n ist ebenfalls davon auszugehen, dass zusätzliche Schülerinnen und Schüler sich für eine ortsnahe IGS entscheiden werden. Die Schulform IGS ist bei den Schaumburger Eltern also mit großem Abstand bei der Schulwahl die Nummer 1.

Angesichts des geringen Bedarfs an Haupt- und Realschulplätzen ist die Umwandlung von vorhandenen Schulzentren mit Haupt- und Realschule das richtige Mittel, um dem nachgewiesenen Elternwillen gerecht zu werden. So haben es die Gesamtkonferenzen und die entsprechenden Räte bereits 2007 gewollt (s. auch die Berichterstattung in EuW 12/2007 und 1/2008).

Die Schulzentren Obernkirchen, Helpsen und Rodenberg sollen nunmehr in Integrierte Gesamtschulen umgewandelt werden, und das zum nächst möglichen Zeitpunkt. So haben alle Fraktionen am 3. Juni im Schul – und Kreisausschuss einstimmig (!) entschieden. Damit gibt es im Landkreis Schaumburg demnächst 4 Integrierte Gesamtschulen. Das ist schon eine Besonderheit für einen ländlich strukturierten Landkreis und zeigt, dass Gesamtschulen in Niedersachsen bei den Eltern hoch im Kurs stehen. Denn überall dort, wo es Gesamtschulen gibt, ist die Nachfrage größer, als Plätze vorhanden sind. Das ist das Verdienst der Kolleginnen und Kollegen an den Gesamtschulen. Ihr Engagement und ihre Ergebnisse sind Grundlagen für den Bedarf an neuen Gesamtschulen.

Man kann und muss davon ausgehen, dass in Schaumburg weitere Gesamtschulen erforderlich werden. Es wird bereits laut darüber nachgedacht, auch im Schulzentrum Lindhorst und in der Stadt Rinteln Integrierte Gesamtschulen einzurichten. Die Schullandschaft in Schaumburg ist mächtig in Bewegung geraten. Verwaltung und Parteien (alle!) ziehen an einem Strang und folgen dem Elternwillen.

Einig sind sich auch Verwaltung und Kreistagsfraktionen in der Beurteilung des Entwurfes zum neuen Schulgesetz. Die Fünfzügigkeit als Mindestgröße für neue Gesamtschulen wird ganz entschieden abgelehnt. „Die Vierzügigkeit ist ein bewährtes pädagogisches Prinzip und darf nicht infrage gestellt werden“, so der einheitliche Tenor. Ferner würde eine Erhöhung der Zügigkeit eine unzumutbare Finanzbelastung für den Landkreis darstellen. Eine geforderte Fünfzügigkeit würde für jeden neuen IGS-Standort mindestens Kosten in Höhe von 2 Mio Euro für An- und Umbauten hervorrufen. „Das können wir als Landkreis nicht bezahlen“, heißt es im Kreishaus. Man erinnert an das Konnexitätsprinzip: „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen!“ Außerdem sei die Schulentwicklungsplanung nicht mehr sicher und könnte zu Fehlentwicklungen führen. Gleichzeitig würden für viele Schülerinnen und Schüler wieder weitere Schulwege, damit auch erhöhte Schülerbeförderungskosten entstehen.

Mit großer Geschlossenheit und mit ebenso großem Nachdruck forderte denn auch der Schulausschuss, das Schulgesetz nur dahingehend zu ändern, dass neue Gesamtschulen wieder eingerichtet werden können. Dazu müsse nur ein Satz im Schulgesetz gestrichen werden, nämlich dieser im § 12: „Neue Gesamtschulen dürfen nicht errichtet werden“. Erst streichen und dann doch wieder die Errichtung neuer Gesamtschulen erschweren, dass sei nicht stimmig.




 

 

 






   
   
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