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Pressemitteilungen GEW


03. Juni 2006
Gewerkschaft zum Bericht „Bildung in Deutschland“ von KMK und Bildungsministerium

GEW: „Heilige Kühe des deutschen Bildungswesens auf den Prüfstand stellen“


„Die heiligen Kühe des deutschen Bildungswesens müssen jetzt ohne Tabu auf den Prüfstand gestellt werden. Dazu gehören das gegliederte Schulsystem und die berufliche Bildung“, kommentierte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den Bericht „Bildung in Deutschland“. Das Papier ist heute im Rahmen der Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) in Plön vorgestellt worden. Thöne unterstrich, dass die Studie als gemeinsames Bund-Länder-Projekt, an dem namhafte Wissenschaftler mitgearbeitet haben, viele Informationslücken schließe.

„Wir brauchen hoch qualifizierte, kompetente und motivierte Menschen, um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu sichern. Der Bericht stellt dem Bildungswesen jedoch ein schlechtes Zeugnis aus. In allen Bildungsphasen, die ein Mensch durchläuft, werden große Probleme und schwerwiegende Mängel diagnostiziert“, betonte der GEW-Vorsitzende. Als Beispiele nannte er die unzureichende Erzieherinnenausbildung, fehlende Kita-Plätze, vor allem im Westen zu wenige Tageseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren, Chancenungleichheit an den Schulen, Probleme des dualen berufsbildenden Systems, überfüllte Hochschulen, den schrumpfenden Weiterbildungsbereich und die mangelhafte Finanzierung des Bildungswesens.

Besonders beschämend sei die Unfähigkeit des Bildungssystems, Einwanderer und deren Kinder zu integrieren. Der Bericht bestätige den Befund der jüngsten OECD-Migrations-Studie, die Deutschland gerade mit Blick auf die zweite Generation der Einwanderer ein verheerendes Zeugnis ausgestellt hatte.

Thöne kritisierte, die „Blindheit des Berichts gegenüber pädagogischem Personal und Lernprozessen“. Es fehlten wichtige Daten etwa über Ausbildung, Arbeitszeit sowie Bezahlung des pädagogischen und wissenschaftlichen Personals in allen Bildungseinrichtungen. Dies gelte ebenso für Klassen- und Lerngruppenstärken oder die Höhe des Ausfalls von Unterricht.

Wer die empirischen Daten ernst nimmt, muss zum Umsteuern bereit sein. Mit ein bisschen Werkelei hier und da ist es nicht getan“, sagte der Gewerkschafter. Die Unterstützung gerade von Kindern aus sozial schwachen und Einwandererfamilien müsse bereits im Kindergarten einsetzen und über die gesamte Bildungszeit konsequent fortgesetzt werden. Die Gebührenfreiheit in Kitas und Hochschulen seien wichtige Bausteine. Zudem müsse das vielgliedrige Schulsystem, das auf Auslese der Kinder ziele, überwunden und zu einem integrativen weiterentwickelt werden. Thöne forderte, das Recht auf Ausbildung im Grundgesetz festzuschreiben. „Wir brauchen eine klare gesellschaftliche Ansage, dass das Recht auf eine berufliche Erstqualifikation für alle Jugendlichen zum Pflichtprogramm der gesamten Gesellschaft gehört – und nicht das Problem jedes einzelnen jungen Menschen ist.“




   
   
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