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Beamtenrecht und Beamtenversorgung

 

08. Mai 2007
Arbeits- und Gesundheitsschutz für Pädagogen sträflich vernachlässigt –
Gutachten vorgestellt


GEW: „Gute Schule braucht gesunde Lehrkräfte“

„Gute Schule braucht gesunde Lehrerinnen und Lehrer. Wir müssen mehr Gelder in die Prävention stecken und das Arbeitsschutzgesetz endlich konsequent umsetzen. Bisher werden Arbeits- und Gesundheitsschutz sträflich vernachlässigt“, sagte Anne Jenter, für Arbeits- und Gesundheitsfragen verantwortliches Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), heute in Berlin. Das belege ein Rechtsgutachten zum Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen von Prof. Wolfhard Kohte, das die Hans-Böckler-Stiftung und die Max-Traeger-Stiftung in Auftrag gegeben hatten.

Jenter machte vier Vorschläge, die Arbeitsbedingungen der Pädagogen zu verbessern: „In Schulen ist es oft so laut wie auf einem Flughafen: Der Lärmpegel muss drastisch gesenkt werden, etwa durch lärmdämmende bauliche Veränderungen.“ Gleichzeitig seien die hygienischen Verhältnisse zu überprüfen. „Wenn es zu viel Feinstaub gibt, muss die Schule besser gereinigt werden“, sagte die Gewerkschafterin. Sie regte an, den Lehrkräften Coaching- und Supervisionsangebote zu machen sowie mehr Fortbildungen anzubieten. „Auch die Arbeitsorganisation an Schulen muss sich verändern. Stundenpläne etwa müssen transparent und effektiv, Abläufe und Zuständigkeiten klar beschrieben und geklärt sein. Team- und Personalentwicklung sollten fester Bestandteil der Schulkultur werden“, unterstrich Jenter.

An den Schulen müssten Arbeitsschutzorganisationen gebildet werden. Diese sollten beratend und koordinierend tätig sein. „Nur wenn wir vor Ort gut aufgestellt arbeiten, können wir auch etwas bewegen. Die organisierte Verantwortungslosigkeit muss beendet werden“, betonte Jenter. Dafür seien mehr Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte sowie Präventionsdienste und Sicherheitsbeauftragte notwendig. „Wir brauchen Psychologen und Soziologen, denn wir arbeiten mit Menschen. Ein ‚technisches Abhandeln’ des Arbeits- und Gesundheitsschutzes greift viel zu kurz“, sagte die GEW-Sprecherin.
Die Kosten für die Maßnahmen bezifferte sie je Bundesland auf mehrere Millionen Euro. Zudem müsse es Freistellungen vom Unterricht für die Lehrkräfte geben, die Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes umsetzen.

In dem Gutachten weist Prof. Kohte viele Mängel im Arbeitsschutz nach. Er kritisierte besonders die fehlenden „Gefährdungsbeurteilungen“. Diese sollen die konkreten Belastungen am Arbeitsplatz beschreiben und Lösungsvorschläge für gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen machen. Jenter mahnte Länderberichte an die Bundesregierung im Rahmen einer „Nationalen Arbeitsschutzstrategie“ an.

„Wir haben dringenden Handlungsbedarf. Lehren ist Schwerstarbeit. Gewalt an Schulen, Stress, Lärm oder mangelnde Hygiene fordern zusätzlich ihren Tribut: Lehrkräfte leiden überdurchschnittlich oft an Burn-out, was von Erschöpfungszuständen bis zu Bewegungsstörungen oder Herzerkrankungen führen kann“, sagte Jenter. Die Folgen: Nur 15 Prozent aller Lehrkräfte können laut einer Studie bis zum 65. Lebensjahr durchhalten. 45 Prozent beantragten ihre vorzeitige Zurruhesetzung, obwohl sie empfindliche Abschläge bei Pension oder Rente hinnehmen müssen. Die Ärzte schickten 40 Prozent der Lehrkräfte vorzeitig wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand.





   
   
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