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Gesamtschule in Niedersachsen


16. Januar 2008
Fachgruppe Gesamtschule des Bezirks Braunschweig zu Besuch in der Joseph-Peter-Lenné-Gesamtschule


Schule als gemeinsamer Lebensbereich

Mitglieder der GEW-Bezirksfachgruppe Gesamtschulen waren zu Gast an der Joseph-Peter-Lenné-Gesamtschule in Potsdam. Lehrkräfte von verschiedenen Gesamtschulen aus Braunschweig, Wolfsburg und Göttingen nahmen an der Fachtagung teil. Einmal jährlich besuchen wir für 21/2 Tage eine Gesamtschule eines anderen Bundeslandes, um Eindrücke und Anregungen für die eigene Arbeit und konzeptionellen Weiterentwicklung unserer hiesigen Integrierten Gesamtschulen zu sammeln. In den letzten Jahren haben wir bereits im Rahmen dieser Fortbildungsreihe hervorragende Gesamtschulen in Schleswig-Holstein (Geschwister-Prenski-Gesamtschule Lübeck), Bremen (Hermannsburg), Hamburg (Wilhelmsburg) und in Hessen (Steinwaldschule) besucht. Alle genannten Gesamtschulen haben sich durch besondere pädagogische Konzepte und Schwerpunktsetzungen hervorgetan und uns viele Anregungen für die schuleigenen konzeptionellen Weiterentwicklungen vermittelt.

Die Lenné-Gesamtschule in Brandenburg war die erste Gesamtschule, die wir in den neuen Bundesländern besuchten. Das gesamte Umfeld, das wir in dieser Schule kennen lernen durften, hat uns begeistert. Die aufgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen, der engagierte Schulleiter Ingo Müller, die Schülerinnen und Schüler, die sich voll mit ihrer Schule identifizierten, haben einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Schulleiter wurden wir von Schülerinnen und Schülern sachkundig und umsichtig durch die Schule und über das Schulgelände geführt. Neben den sehr positiven Eindrücken, der nicht nur durch die vielen Schülerarbeiten als Kunst an den Wänden und ebenso im Außenbereich entstand, fiel auf, wie hoch der Identifikationsgrad der Schüler und Schülerinnen mit ihrer Schule ist – immer wieder wurde deutlich, das ist „ihre“ Schule.

Anschließend hatten wir im Wechsel die Möglichkeit in vielen Unterrichtsstunden – die wir selbst auswählen durften (!) - zu hospitieren, dort mit den Lehrkräften und Schülern ins Gespräch zu kommen, die Mensaküche kennen zu lernen, Gespräche mit der Lehrkräftevertretung, den Schülern und Schülerinnen und der gesamten Schulleitung zu führen. Keine Frage blieb unbeantwortet. Das sich einige Kolleginnen und Kollegen auch an zwei Abenden noch die Zeit genommen haben, sich mit uns zwanglos zu treffen, um sich auszutauschen ist schon bemerkenswert.

Besonders hervorzuheben sind an dieser Schule zwei pädagogische Bereiche der Profilbildung der Lenné-Gesamtschule. Das sehr hochentwickelte Konzept des „Informatik Unterrichtes“ und Fachbereiches, das von sehr viel eigenständigem Einsatz und SchülerInnen- Engagement geprägt ist, und der Fachbereich Kunst, der überall in der Schule sichtbar mit entscheidend dafür gesorgt hat, dass die Schule als gemeinsamer Lebensraum aller erlebt und geachtet wird.

Darüber hinaus existiert auch ein - in allen Pausen hörbares – Schülerradio, welches weitestgehend selbstorganisiert ist. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten wöchentlich an jedem Freitag Informationen in einer „Hauspostille“, in der nicht nur Informationen der Schulleitung stehen, sondern auch eigene Vorhaben kundgetan werden. Damit wird die Anzahl von sonst notwendigen Konferenzen herabgesetzt. Die Schulorganisation und konzeptionelle Arbeit des Kollegiums ist in sogenannten Teamgruppen organisiert. In diesen Teams werden organisatorische und pädagogische Schwerpunktsetzungen der Schule von den Kolleginnen und Kollegen erarbeitet oder fortentwickelt und dienen auch der ständigen Selbstevaluation.

Dieses Engagement muss vor dem Hintergrund der widrigen bildungspolitischen Szene Brandenburgs gesehen werden. Konkret für die Kollegen der Lenné-Gesamtschule sei hier nur folgendes aufgezählt: Der ständige Konkurrenzkampf mit den (bevorzugten) Gymnasien um Schüler, die im Vergleich zum Westen schlechte Bezahlung und der drohendeÜberhang von Lehrkräften zum Schuljahresende. Einerseits werden dann die bisher auf „Zwangsteilzeit“ eingestellten Beamtinnen und Beamten auf volle Stellen hochgesetzt, zum gleichen Zeitraum werden die angestellten Lehrkräfte auf Zwangsteilzeit gesetzt. Der zu erwartende Stundenüberhang dieser Maßnahmen wird voraussichtlich zu Zwangsversetzungen führen, statt zur weiteren Verbesserung der pädagogischen Arbeit verwandt zu werden.

Besonders perfide ist eine Regelung, dass die Lenné-Gesamtschule einerseits sehr viele Schülerinnen und Schüler zur Aufnahme in der 7. Eingangsjahrgangsstufe (es gibt in Brandenburg die sechsjährige Grundschule) jedes Jahr ablehnen muss, zwangsweise dieses Jahr nur 3zügig sein darf (sonst hätten die
Gymnasien nicht genug SchülerInnen) aber andererseits die strikte Vorgabe hat, eine hohe Schülerzahl beim Übergang zur Sekundarstufe II vorweisen zu müssen. Die nur minimalste Unterschreitung führt zum sofortigen Verteilen dieser SchülerInnen auf andere Schulen und zum Verlust der Bezeichnung Gesamtschule auf Dauer, weil diese nur mit Sek. II geführt werden dürfen. Vor diesen ganzen Hintergründen hat unsdass Engagement der Lehrkräfte und der SchülerInnen für ihre gemeinsame Schule umso mehr positiv überrascht. Tief beeindruckt und mit vielen Anregungen versehen sind wir am Freitagmittag zurückgefahren, nicht ohne eine Gegeneinladung ausgesprochen zu haben. Wir hoffen, dass die Kollegen hiervon vielfachen Gebrauch machen.






 

 

 






   
   
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