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01. März 2008
Zwischenbericht der Schulinspektion


Geheimhaltung ist unbegründet

Offiziell wird er unter Verschluss gehalten, der erste Zwischenbericht der Schulinspektion. Ursprünglich war die Veröffentlichung für das Jahresende 2007 angekündigt worden. Inoffiziell haben wohl aber doch einige Teilergebnisse den Weg aus dem MK in die Medien und zu Oppositionspolitikern gefunden, sodass in Presse und Landtag intensiv das vermeintlich schlechte Abschneiden der Gymnasien debattiert wurde. Die Herausgabe des Berichtes wird vonseiten des Kultusministers aber weiterhin verweigert: „Das ist ein Bericht in der Entwicklung, der ist nicht geeignet für eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit.“

Busemann hält Zwischenbericht unter Verschluss

Ein passender Zeitpunkt für eine Diskussion über das ganze System, so der Minister weiter in der Landtagssitzung vom 14. Dezember, sei dann erreicht, wenn eher 50 % als 40 % oder nur 35 % der Schulen inspiziert worden sind. Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ina Korter, warf dem Minister daraufhin vor: „Kultusminister Busemann betrachtet die Schulinspektion als seine Privateinrichtung und ist nicht bereit, dem Parlament die Ergebnisse dieses Vorberichtes der Inspektion vor der Wahl zur Verfügung zu stellen.“

Warum aber hat das Kultusministerium einen Bericht wieder zurückgezogen, dessen erste Ergebnisse im Rahmen der Schulbeiratssitzung im November schon bekannt gegeben worden waren? Ein genauerer Blick auf die durchgesickerten Ergebnisse ist lohnend. Bis November 2007 wurden ca. 880 Schulen (28 %) von den zu dem Zeitpunkt 52 tätigen Schulinspektoren und Inspektorinnen besucht, um u.a. 16.000 Unterrichtsstunden zu bewerten. Während bei GS und FöS ca. 15 % der Schulen bewertet wurden, beträgt der Anteil im Bereich der HS 29 %, der RS 35 %, des Gymnasiums 56 %, der GeS 64% und der BbS 59 %.

Ergebnisse sind durchgesickert

Eine Nachinspektion erfolgt gemäß der vom MK gesetzten Vorgaben, wenn 8 oder mehr der 15 Kriterien des Qualitätsrahmens „unter Standard“ bewertet werden bzw. wenn 3 Teil-Kriterien im Bereich „Lehrerhandeln“ nicht genügen. 45 Schulen zeigten solche Mängel; gut 5 Prozent der Schulen müssen sich einer Nachinspektion stellen. Bis Jahresende lagen die Ergebnisse von weiteren 75 Inspektionen vor, bei denen 7 Schulen einen „Nachinspektions-Befund“ erhielten. Dieses sind Ergebnisse, die den Erwartungen des MK voll entsprechen und die im Trend der anderen Bundesländer liegen. Nichts Überraschendes also.

Es ist auch kein Geheimnis, dass insbesondere die Bereiche „Lehrerhandeln im Unterricht“ und „Individuelle Förderung und Unterstützung“ deutlich unterdurchschnittliche Ergebnisse vorweisen (75 % schwache bis sehr schwache Bewertungen), denn hier versucht das MK schon jetzt durch den Einsatz von mehr als 120 Trainer/innen für Unterrichtsqualität zu reagieren. Und dass die Schulleiterinnen und Schulleiter Unterstützungsbedarf im Bereich des „Qualitätsmanagements“ haben, zeigt die groß angelegte Qualifizierungsoffensive für diesen Personenkreis. Kein Wunder dürfte auch sein, dass bei ca. 50 % der Schulen noch Unterlagen wie Methoden-, Medien- oder Fortbildungskonzepte fehlen oder aber die Datenlage über Schulerfolge (Outcome) unzureichend ist. Auch im Hinblick auf Maßnahmen zur inneren Differenzierung oder gezielten individuellen Förderung stellt die Inspektion einen großen Nachholbedarf der Schulen fest. All das dürfte auch ohne Schulinspektion schon bekannt gewesen sein; nun ist es schwarz auf weiß dokumentiert.

Außerdem gibt es aber auch positive Ergebnisse zu vermelden: Über 90 % der Schulen haben im Bereich „pädagogisches Klima“, „Schulleben“ und „Schülerberatung“ gute bis sehr gute Einschätzungen erhalten. 50 bis 60 Prozent der Schulen dürfen sich über ein insgesamt gutes Inspektionsergebnis freuen, 11 Prozent leisten nach den von der Inspektion gesetzten Kriterien sogar ausgezeichnete Arbeit. Interessant ist auch die Nachricht, 95 Prozent der inspizierten Schulen seien mit dem Verlauf der Inspektion zufrieden gewesen.

Warum also diese Geheimhaltung? Anscheinend soll verschwiegen werden, dass insbesondere im Bereich der Gymnasien Einschätzungen getroffen wurden, die einen enormen Verbesserungsbedarf (bei 75 % der Schulen) in den Bereichen „Lehrerhandeln im Unterricht – Unterstützung eines aktiven Lernprozesses“ aufzeigen. Damit scheint in der Kultusbürokratie niemand gerechnet zu haben, wo doch gerade das Gymnasium die Schulform ist, die bei PISA-Untersuchungen in Deutschland und international gute Werte erreicht. Dieses Ergebnis ist außerdem besonders erstaunlich vor dem Hintergrund, dass dieser Schulform auch bisher schon ein großes Angebot an Fachberaterinnen und Fachberatern zur Verfügung stand.

Unliebsame Ergebnisse vor der Wahl vertuschen

Bis zum Sommer letzten Jahres – so musste der Minister in der Landtagssitzung eingestehen - war knapp die Hälfte der 248 niedersächsischen Gymnasien inspiziert worden und für 9 Schulen (9%) wurde eine Nachinspektion anberaumt. Da zum damaligen Zeitpunkt erst 16 Prozent aller Schulen einen Besuch der Inspektion erhalten hatten, sieht er diese Datenlage für die Gymnasien als zu gering an, um aussagekräftige Schlussfolgerungen ziehen zu können, und begründet hiermit die Verweigerung der Herausgabe des Zwischenberichtes.

Nichtsdestotrotz werden in MK und NSchI jedoch schon jetzt Vorbereitungen getroffen, die Schulinspektion in so veränderte Bahnen zu lenken, damit der Unterschiedlichkeit der Schulformen und der Fachlichkeit eine größere Bedeutung beigemessen werden kann. Zukünftig sollen nicht nur die „harten Daten“ wie Ergebnisse bei Vergleichsarbeiten, Sitzenbleiberquote und Abschlüsse einbezogen werden. Auch die „kognitive Aktivierung“ der Schülerinnen und Schüler soll stärker in den Blick genommen werden und mittels neuer Instrumente exakter und klarer erfasst werden können. Bezüglich des „Outcome“ der Schule ist beabsichtigt, auch die Studierfähigkeit bzw. die Befähigung zum erfolgreichen Besuch weiterer Schulformen zu berücksichtigen.

Der Minister erhofft sich darüber hinaus auch dadurch verbesserte Beurteilungsergebnisse für die Gymnasien, dass dann auch die Ergebnisse des Zentralabiturs mit in den Inspektionsbericht einfließen. Hier schneiden die Gymnasien in Niedersachsen seines Erachtens „deutlich gut ab“. Es ist also ganz einfach: Wenn die Ergebnisse nicht passen, werden sie halt mittels veränderter Kriterien passend gemacht. Bei einem Verfahren, das sich nicht an wissenschaftlich fundierten Kriterien orientiert, ist so etwas problemlos umzusetzen. Und mit einer Regierung, die offensichtlich kein Interesse daran hat, die Akzeptanz und Wirkung der Schulinspektion zu intensivieren, indem die Qualitätskriterien für das Bildungswesen öffentlich diskutiert und Ergebnisse offen thematisiert werden, ohne die Betroffenen anzuprangern und gegeneinander auszuspielen, erst recht.

Und gerade deshalb verstärkt sich der Eindruck, der Minister wolle vor der Landtagswahl unliebsame Zwischenergebnisse vertuschen und von dem Problem des noch immer fehlenden, aber dringend benötigten bedarfsgerechten Unterstützungssystems ablenken. Es heißt, den Mitarbeitern des zuständigen Referates, das den Bericht zu verantworten hat, wehe ein recht kühler Wind um die Nase. Der Minister hat angekündigt, es werde daran gearbeitet, zu einem „passenden Zeitpunkt“ zu berichten. Seines Erachtens ist der erst dann gekommen, wenn die Hälfte der Schulen inspiziert ist. Es dürfte also noch etwas dauern.

 

 





   
   
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