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Pressemitteilungen GEW
16. Februar 2006 Die Freude währte indes nur kurz. Am 10. Februar warf der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen, Stefan Wenzel, dem niedersächsischen Kultusminister „eine bewusste Fehldarstellung der Schulabbrecher-Statistik“ vor. Durch eine Umstellung der niedersächsischen Landesstatistik würde nämlich die Quote neu berechnet. Die Informationen, die der Pressemitteilung des MK zugrunde lagen, bezögen sich auf das Schuljahr 2004/05. Vorher wären die Absolventen einmal gezählt worden, immer beim höchsten Abschluss, den sie erreichten. Seit 2004 würde in den Gymnasien und Gesamtschulen doppelt gezählt: einmal am Ende von Klasse 10 und ein zweites Mal nach dem Abitur oder nach dem Fachhochschulabschluss. Dadurch erhöhe sich die Bezugsgröße für die Berechnung der Quote. Diese Zählweise gäbe es aber ausschließlich im Bundesland Niedersachsen. Alle übrigen Länder blieben bei der traditionellen Berechnung. Durch diesen statistischen Trick rutsche Niedersachsen im Länder-Ranking auf den 2. Platz. Tatsächlich habe sich am Tatbestand der hohen Quote der Schulabbrecher nichts geändert. Ich habe das nachgeprüft. Die Datenlage ist leicht nachvollziehbar und eindeutig. Aus Fußnote b der einschlägigen Statistik ergibt sich, dass im Schuljahr 2004/05 einzig und allein in Niedersachsen nicht nur die Abschlüsse, sondern neuerdings auch die Übergänger/innen in den Sekundarbereich II gezählt werden. Die Zahl der Schulabschlüsse wurde durch die neue Zählweise des Niedersächsischen Statistischen Landesamtes von 39.813 im Schuljahr 2003 auf 64.360 im Schuljahr 2004 erhöht. Der plötzliche Zuwachs von 24.547 Abschlüssen ließ die Quote der Absolventinnen und Absolventen ohne Schulabschluss sinken. In der Tat, ein einfacher Trick. Und wie steht es mit dem vom Kultusminister gefeierten Rückgang der absoluten Zahl von Schülerinnen und Schüler, die keinen Hauptschulabschluss erreichen? Im Schuljahr 2004/05 waren es 8.776. Das ist der zweithöchste Wert seit 1992. Soweit zurück verweist jedenfalls die Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes vom September 2005. Lediglich im Vorjahr, also 2003/04 lag die Zahl der Schulabbrecher mit 9.776 noch höher. Das Problem, dass Schülerinnen und Schüler das Schulsystem ohne Abschluss verlassen, hat sich also in den letzten Jahren zugespitzt. Die ministerielle Interpretation suggeriert das Gegenteil. Stefan Wenzel spricht davon, dass Minister Busemann seine Bilanz durch einen „miesen Taschenspielertrick“ auf billige Art und Weise schön frisiert. Ich vermute etwas anderes: Der Glaube an das Ranking und an Daten der Output-Steuerung macht blind für die wirklichen Probleme. Daten werden als Beweis dafür verwendet, dass die Bildungspolitik der Regierung zur Stärkung des „begabungsgerechten Schulsystems“ richtig ist. Was für bildungspolitische Tollheiten blühen uns noch, wenn demnächst im Ministerium Ergebnisse der Schulinspektion, von Vergleichsarbeiten und zentralen Abschlussprüfungen ausgewertet werden?
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