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Pressemitteilungen DGB


17. November 2007
DGB fordert mehr Chancengleichheit im Bildungssystem


Gemeinsame Schule für alle, Lernmittelfreiheit wieder einführen



Im Rahmen einer Bildungskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) forderte DGB-Landesvorsitzender Hartmut Tölle in Hannover ein Bildungssystem für Niedersachsen, das mehr Chancengleichheit ermöglicht. Mit der Einführung des dreigliedrigen Schulsystems nach der vierten Klasse sei die Ausgrenzung sozial schwacher Schülerinnen und Schüler verschärft worden, so der DGB-Landeschef. An Hauptschulen würden Kinder und Jugendliche aus bildungsarmen Elternhäusern konzentriert, während über 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Gymnasien aus der oberen Hälfte der Sozialschicht kämen. Die Abschaffung der Lernmittelfreiheit stemple zudem immer mehr Kinder zu Schulkindern zweiter Klasse ab. Zwar besteht die Möglichkeit, einen Teil der erforderlichen Bücher auszuleihen, aber Leihgebühren und Kosten für anzuschaffende Bücher belasten einkommensschwache Familien. Außerdem klaffe in Niedersachsen noch immer eine große Lücke zwischen den über 70.000 gemeldeten Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, und den gut 47.000 gemeldeten Ausbildungsstellen. Besonders problematisch sei die Zahl der Altbewerber. Hartmut Tölle. „Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber aus den Vorjahren ist so hoch wie nie zuvor. Ihr Anteil ist mit 34.570 Jugendlichen auf über 50 Prozent der Gesamtbewerber angestiegen. Es bilden nur noch 21 Prozent der Betriebe und Unternehmen aus.“
DGB-Landeschef Hartmut Tölle sagte: „Die Bildungschancen sind in Niedersachsen zunehmend ungleich verteilt. Wir brauchen eine Bildungspolitik, die für mehr Chancengleichheit sorgt.“ Der DGB-Vertreter forderte die mittelfristige Einführung einer gemeinsamen Schulzeit aller Kinder bis Klasse 10 und die sofortige Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit. Hartmut Tölle: „Eine Ausweitung des Angebotes an Gesamtschulen ist in allen Regionen Niedersachsens zu ermöglichen. Wir wollen, dass Gesamtschulen im Schulgesetz als Regelschulen gleichwertig zu anderen Schulformen behandelt werden.“ Der Lehrstellenlücke will der DGB mit einer Umlagefinanzierung begegnen, da die Finanzierung der dualen Berufsausbildung derzeit im Wesentlichen von den ausbildenden Betrieben und aus öffentlichen Mitteln geleistet wird. Hartmut Tölle. „Alle Jugendlichen haben einen Anspruch auf einen Ausbildungsplatz. Die Einführung einer Ausbildungsumlage schafft mehr Gerechtigkeit, entlastet die ausbildenden Betriebe und führt zu mehr Ausbildungsplätzen.“

Prof. Dr. Michael Vester von der Universität Hannover betonte, nirgends gäbe es so einen starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schullaufbahn wie in Deutschland. Er sagte: „Von der Bildungsexpansion haben, wie die PISA-Studien bestätigen, die Kinder von Arbeitern, Angestellten und Landwirten am wenigsten profitiert. Die Gründe liegen dabei nicht in einer bewussten Aussiebung nach Beruf oder Budget der Eltern durch die Lehrer oder die Schulen. Vielmehr wirken das dreigliedrige System der Schulbildung und subtile Kulturschranken darin zusammen, ungleiche Bildungschancen zu verfestigen. Es gibt zwar eine fördernde Pädagogik, aber sie setzt nicht zielgerichtet bei den Stärken und Schwächen der einzelnen Milieus an.“
Die ausführlichen bildungspolitischen Forderungen des DGB finden Sie unter
www.niedersachsen.dgb.de/themen/bildungspolitik/bildung

 

   
   
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