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10. Februar 2010
Aufsatz

Risiken und Nebenwirkungen des Kompetenz-Konzeptes


In der bundesdeutschen Bildungsdiskussion hat es sich etabliert, pädagogische und bildungspolitische Fragen mit immer ähnlichen Rezepten zu beantworten, die weitgehend der Ökonomie entliehen sind. Prof. Dr. Jochen Krautz, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter/Bonn, hat hierzu den sehr lesenswerten Aufsatz „Bildung als Anpassung? Das Kompetenz-Konzept im Kontext einer ökonomisierten Bildung“ verfasst, der im Fromm Forum 13/2009 veröffentlicht wurde.

Der Autor belegt anhand der Analyse der Schlagworte der Bildungsdebatte, dass es bei der vor allen Dingen auf die ökonomische Verwertbarkeit gerichteten „Bildungsreform“ um eine tief greifende Funktionalisierung des Menschen für Zwecke geht, die weit von der Zielbestimmung der humanistischen Bildung im humboldtschen Sinne entfernt sind. Somit bestimmen nicht mehr allgemeine Bildungsideen und Erziehungsziele die Prioritäten im Bildungswesen, sondern ökonomische Kriterien, die sich in output-relevanten Faktoren niederschlagen. Qualität beschreibt in diesem Zusammenhang nicht mehr die wesentlichen und charakteristischen Eigenschaften einer Sache, sondern Indikatoren, nach denen die Effizienz von Schulen gemessen werde. Weil man aber die Qualität von wirklicher Bildung nicht mit marktwirtschaftlichen Kriterien messen kann, kommt ein neuer Bildungsbegriff ins Spiel: die Kompetenzen.

Im dritten Kapitel seines Aufsatzes beschreibt Krautz anschaulich den Bedeutungswandel, den der Begriff „Kompetenz“ durchgemacht hat. Obwohl es bis heute keine einheitliche Begriffsdefinition gibt, wird im Bildungsbereich mit dem Begriff fleißig hantiert und Kompetenz mit Bildung gleichgesetzt. Übersehen wird dabei, dass dieses Kompetenz- Konzept vorrangig der Vereinnahmung der Person für ökonomische Zwecke dient.

Die Auswahl bildungswirksamer Inhalte, die in der personalen Vermittlung persönlichkeitswirksam werden, ist nicht mehr von Bedeutung. Kompetenzen sollen dazu befähigten, sich an eine durch Wandel, Komplexität
und wechselseitige Anhängigkeit gekennzeichnete Welt anzupassen, Bildungswerte spielen dabei eine untergeordnete Rolle. So kann beispielsweise die Lesekompetenz nicht nur durch die Lektüre des „Faust“, sondern auch durch das Lesen von Betriebsanleitungen erworben werden. Kompetenzen sind somit flexibel und für jeden Zweck einsetzbar. Der von PISA als kompetent Geprüfte soll später einmal ebenso Babynahrung produzieren können wie Landminen.

Krautz belegt, dass Pädagogen Gefahr laufen, ungewollt zu assistieren. Die Überbetonung der Methodik vor der Lehrer-Schüler- Beziehung, die Auflösung von Klassenverbänden und das Lernen in Lernwerkstätten und mit Kompetenzrastern sowie das Dokumentieren der Ergebnisse in Portfolios sind Elemente, mit denen Selbstführungsinstrumente und modernes Equipment eingeübt werden.

Genau solche zu selbstständigem Funktionieren erzogene junge Menschen brauche die Ökonomie. Mit dem Kompetenz-Konzept habe sich – auch dank der PISA-Studien – ein ökonomisches Bildungsverständnis in der erziehungswissenschaftlichen Theorie und in der pädagogischen Praxis sowie in der bildungspolitischen Debatte gezielt an die Macht putschen können. Doch es könne, so der Autor, von den Pädagogen, im Interesse eines humanistischen Bildungskonzeptes auch gegengehalten werden: „Nutzen wir also unsere Chance: Denn wir haben die Kinder und Jugendlichen täglich – nicht die OECD und nicht Bertelsmann, und das ärgert sie!“ Aufgrund der Länge des Aufsatzes muss auf einen Nachdruck in der EuW verzichtet werden.



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Bildung als Anpassung? Das Kompetenz-Konzept im Kontext einer ökonomisierten Bildung



 

 

 






   
   
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