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GEW-Fachgruppe Gymnasien

August 2010: Neue Kerncurricula für die Q-Phase

Mit Beginn des nächsten Schuljahres werden die Kerncurricula (KC) für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie, Chemie und Physik für das erste Jahr der Qualifikationsphase verbindlich eingeführt. Im Erlass heißt es dazu. „Die Kerncurricula legen den Rahmen für den Unterricht fest. Sie ersetzen für die oben genannten Fächer die Rahmenrichtlinien, die mit der verbindlichen Einführung der Kerncurricula außer Kraft treten.“ Die KCs gelten also das erste Mal für den Abiturjahrgang 2012. Die neuen Curricula bilden die inhaltliche Grundlage für die Aufgabenstellung im Zentralabitur, damit fällt für die o.g. Fächer auch die Benennung von thematischen Schwerpunkten weg. Diese Änderungen brachten bzw. bringen für die Fachkonferenzen bis zum Beginn des Unterrichts im Sommer erhebliche Arbeit, denn sie mussten bzw. müssen auf der Grundlage des KCs einen verbindlichen schuleigenen Arbeitsplan entwickeln. Im Fach Deutsch sind z. B. für sieben Rahmenthemen aus einem Angebot von acht Wahlpflichtmodulen jeweils ein für die Schule geltendes herauszusuchen. Weiter heißt es im Abschnitt „Aufgaben der Fachkonferenz“ im KC Deutsch. „Die Fachkonferenz (…) gestaltet die Rahmenthemen in der Qualifikationsphase, indem sie Absprachen über die Verknüpfung von Pflicht- und Wahlpflichtmodulen trifft, den Kompetenzerwerb in den vier Kompetenzbereichen sichert sowie Absprachen über Text- und Filmauswahl trifft, benennt in Absprache mit den Fachlehrerinnen und Fachlehrern die Halbjahresthemen, entscheidet, welches Schulbuch eingeführt werden soll, und trifft Absprachen über geeignete Materialien und Medien, die den Aufbau der Kompetenzen fördern, (…) trifft Absprachen zur Konzeption von schriftlichen, mündlichen und fachspezifischen Lernkontrollen und ihrer Bewertung (…)“ (S. 61). Entsprechende Formulierungen findet man auch in den anderen KCs. Kritisiert wird von vielen Kollegen/innen, dass die Zeit zur Vorbereitung vor dem Hintergrund der anderen Belastungen viel zu kurz ist. Die Fortbildungsangebote seien nicht ausreichend, da es z. T. zu wenige Plätze gebe oder die Termine ausgesprochen ungünstig lägen. Auch die Qualität der Veranstaltungen wird z. T. kritisiert. In den naturwissenschaftlichen Fächern haben verschiedene Schulen nach intensiver Arbeit bereits schuleigene Arbeitspläne für die Q-Phase entwickelt, mussten aber feststellen, dass die erst später erschienenen Schulbücher zu den von den Schulen ausgewählten Schwerpunkten kein oder wenig Material boten. Immer wieder wird die Stofffülle kritisiert. Fazit: Es bleibt zu wenig Zeit, um sich in Ruhe und professionell mit den neuen Curricula auseinanderzusetzen.

 

Das Kollegium des Gymnasiums Neu Wulmstorf hat eine Stellungnahme zur Einführung der Kerncurricula Sek II zum Schuljahr 2010/2011 verabschiedet, die wir im Folgenden dokumentieren:

„Die KC Sek II sollen die zurzeit geltenden Lehrpläne und Richtlinien ersetzen. Für diese gibt es an den Schulen Absprachen, Materialien und Stoffverteilungspläne, die von den Fachkonferenzen beschlossen wurden.

Insbesondere die thematischen Schwerpunkte für das Abitur ermöglichten eine längerfristige effektive Vorbereitung und Planung des Kursstufenunterrichts und eine schülerfreundliche Vorbereitung auf das Zentralabitur. Unabhängig von der grundsätzlichen Kritik an dem Zentralabitur, das nach unserer Einschätzung zu einem Unterricht führt, der oberflächliches abfragbares Wissen vermittelt statt vertiefendes wissenschaftspropädeutisches Arbeiten zu fördern, war dieses Verfahren unter den gegebenen Umständen hilfreich für die Schulen.

Die verbindliche Einführung der KC Sek II zum kommenden Schuljahr 2010/11 für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Politik setzt voraus, dass die Fachkonferenzen der Schulen noch in diesem Halbjahr die Umsetzung durch schulinterne Stoffverteilungspläne und didaktisch-methodische Überlegungen diskutieren und beschließen müssen.
Dies ist in der Kürze der Zeit kaum leistbar, da diese Arbeit in eine Zeit fällt, in der Abiturarbeiten zu korrigieren sind und ohnehin eine erhöhte Arbeitsbelastung auf Grund des Doppeljahrganges besteht.

Es ist aus Sicht der Schulen nicht nachvollziehbar,  aus welchem Grund das Kultusministerium nicht ein Jahr später die KC in Kraft treten lässt, um den Fachkonferenzen die Möglichkeit zu geben, diese in die schulische Arbeit zu implementieren.

Hinzu kommt, dass auch die Schulbuchverlage zum Teil noch nicht in der Lage sind, Lehrwerke bereit zu stellen, die auf die neuen KC abgestimmt sind. Eine Prüfung der Lehrwerke und ein Beschluss zur Einführung für den kommenden Q1-Jahrgang sind nicht zu leisten.

Auf Grund der knappen Zeitvorgabe war es  bisher nur teilweise möglich, in Fortbildungen die Intentionen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten zu vermitteln; auch Multiplikatoren, die die Schulen bei der Implementierung  unterstützen sollten, stehen erst seit sehr kurzer Zeit zur Verfügung..

Für die Fächer Biologie und Politik kommen noch folgende Kritikpunkte hinzu:

Biologie: Die Vorgaben enthalten viel zu allgemein gehaltene fachliche Inhalte, die wenig detailliert sind und die allgemein wünschenswerte Tiefe des Kompetenzerwerbs nicht umschreiben.
Dies soll von den Fachkonferenzen der Schule geleistet werden, was zu Unterschieden im Kompetenzerwerb der SuS an den verschiedenen Schulen führt und somit ungleiche Voraussetzungen für das Zentralabitur schafft.
Die neuen Kerncurricula sind nicht mehr schwerpunktorientiert. Nahezu alle biologischen Teilgebiete sollen themenorientiert vermittelt werden, selbst Stoff, der zuvor noch im 11.Jahrgang unterrichtet wurde, wird jetzt in die Kursstufe einbezogen. Die Stofffülle ist immens und wird mit der Argumentation kaschiert, es müsse ja bei allen Inhalten nicht mehr so stark in die Tiefe gegangen werden, es sollen eher Grundkenntnisse vermittelt / Reduzierungen vorgenommen werden. Dies ist jedoch aus den Vorgaben kaum ersichtlich. Die Intention scheint zu sein, den SuS umfangreichste Grundkenntnisse „einzutrichtern“. Auf das, was SuS nach deren Erwerb dann interessant finden (Anwendungsbeispiele, der Bezug zum täglichen Leben), kann aus Zeitgründen nicht mehr eingegangen werden. Exkursionen, Freilandarbeit etc., all das, was einen guten Biologieunterricht ausmacht, werden kaum/nicht mehr möglich sein. Das vierte Semester muss ausschließlich mit neuem Stoff gefüllt werden, eine Wiederholungsphase ist absolut ausgeschlossen.

Politik: Die Einzelthemen sind äußerst komplex und die Bearbeitung erfordert viel Unterrichtszeit. Es besteht die Gefahr, dass diese stoffliche Überfrachtung zu einem Unterricht führt, der den Schwerpunkt in Wissensvermittlung sieht, um eine Vorbereitung der SchülerInnen auf das Zentralabitur in der gegebenen Themenvielfalt zu gewährleisten. Für in die Tiefe gehendes, problemorientiertes und wissenschaftspropädeutisches Arbeiten bleibt kaum Zeit.

Aus den vorgenannten Gründen fordern wir das niedersächsische Kultusministerium auf, die verbindliche Einführung der Kerncurricula für die Sek II um ein Jahr zu verschieben.“




   
   
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