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Artikel - Sekundarstufe II




Kommentar zur Sek II


Na prima, ab August 2007 gilt schon wieder eine neue Oberstufen- und Abiturprüfungsverordnung… Also genau genommen gelten dann ja zwei. Die neue Verordnung für den elften und zwölften Jahrgang und die alte vom Februar 2005 für den dreizehnten. Na ja, und für die Schülerinnen und Schüler, die den letzten Jahrgang wiederholen müssen, gibt’s natürlich noch die Vorschriften aus dem Jahr 1998… Alles klar!?
Da kommt nicht nur bei den Kolleginnen und Kollegen Freude auf, die in den Gymnasien, den Gesamt- und Berufsschulen als Tutorinnen und Tutoren arbeiten. Auch die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern dürften Schwierigkeiten bei der Orientierung haben. Immerhin umfassen die jeweils zwei Verordnungen und Erlasse, die in Niedersachsen Oberstufenunterricht und Abitur regeln, locker 120 Seiten. (Und sie haben so schön schlanke Namen: „Ergänzende Bestimmungen zur Verordnung über die Abschlüsse in der gymnasialen Oberstufe, im Fachgymnasium, im Abendgymnasium und im Kolleg (EB-AVO-GOFAK)“ Nur mal so als Beispiel…)
Zugegeben, das mögen Äußerlichkeiten sein.
Wir hätten auch überhaupt nichts gegen Änderungen, wenn es denn nur voranginge in Richtung Qualitätsentwicklung und Erhöhung der Bildungsbeteiligung.
Aber nichts davon!
In Niedersachsen sind und waren alle Änderungen in Sachen Sek II und Abitur zügige Rückschritte in Richtung Sechzigerjahre: Die Gleichwertigkeit der Fächer ist abgeschafft. Die Wahlmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler wird immer mehr eingeschränkt. Die Auflagen und die Belastungen steigen. Nach zwei Durchgängen Zentralabitur sind sich viele Kolleginnen und Kollegen einig: Das Niveau wird flacher.
Aber es kann noch schlimmer kommen.
Niedersachsens Lieblingspartner in Sachen Bildungsrückschritt, Baden-Württemberg, denkt in Sachen Sek II schon weiter: Den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich will man so entflechten, dass Geschichte, Politik und Erdkunde wieder Pflicht werden. Außerdem werden zwei Naturwissenschaften für alle verbindlich, und zwar voll anrechnungspflichtig. In fünf Jahren soll als 6. Prüfungsfach im Abitur eine mündliche Kommunikationsprüfung in einer Fremdsprache eingeführt werden. Die Unterscheidung zwischen Kern-, Profil- und Neigungsfach wird abgeschafft.
Alles nachzulesen in einer Pressemitteilung von Ministerpräsident Oettinger und seinem Kultusminister Rau vom April 2007. Erster Satz dort: „Baden-Württemberg genießt mittlerweile bei der Gestaltung der gymnasialen Oberstufe den Ruf eines Vorreiters, an dem sich andere Bundesländer orientieren.“ Das ist durchaus zu befürchten.
Ziel Baden-Württembergs dürfte sein, auch die Kultusministerkonferenz wegzubekommen von den Aufgabenfeldern. Statt dessen ein verbindlicher Fächerkanon, bei dem alle belegten Fächer eingebracht werden müssen, so wie damals mit Haupt- und Nebenfächern. Wahlen und Schwerpunktsetzungen fallen dann (fast) ganz weg. Und man kann auch wieder schöne große Klassen bilden.
Hoffen Niedersachsens Kultusminister und seine Ratgeber vielleicht, dass eine stabile Schlichtversion á la Baden-Württemberg vielen Kolleginnen und Kollegen letztendlich lieber ist als jährlich neue Verordnungs- und Erlassänderungen!?
Wir sollten im Interesse der Schülerinnen und Schülern bei unseren Grundsätzen bleiben. Die Gewerkschaften fordern seit Jahren die Einführung moderner Lehr- und Lernmethoden für die Lernenden in der Oberstufe. Stumpfes Pflichtfachpauken im Doppelstundentakt bereitet einfach nicht vor auf Studieren, Arbeiten und Leben in einer Wissensgesellschaft. Die Hochschulen und auch große Teile der Wirtschaft wissen das!
Wir brauchen eine radikale Reform der Oberstufe, die den Schülerinnen und Schülern eine individuelle Schwerpunktsetzung ermöglicht, die generell das fächerübergreifende Lernen ausweitet und das eigenverantwortliche Lernen ins Zentrum stellt.
hs


 

 

 

 

   
   
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