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Artikel - Jahrgänge 5 / 6


Juni 2004
Ursula Trapp, Marlies Sundermeyer, Bausteine 5/6


Eingangsphase




"Im Schuljahrgang 5 können in der ersten Woche freie Unterrichtsformen im Vordergrund stehen. Die Einhaltung der Fachstundenanteile gemäß Stundentafel kann hierbei nachrangig sein." (aus RdErl. d. MK v. 3.2.2004 - 303-81011)
Die Möglichkeit, in der ersten Schulwoche des 5. Schuljahres andere Unterrichtsformen in den Mittelpunkt von Unterricht zu stellen, bietet die Chance, eine an vielen Orientierungsstufen praktizierte Eingangsphase in die weiterführenden Schulen hinüber zu retten.
Allgemein gilt, dass sich ein gutes Lern- und Sozialklima positiv auf die Entwicklung von Schulleistungen, sozialen Verhaltensweisen und die Persönlichkeit von SchülerInnen auswirkt. Während einer Einführphase kann hierfür der Grundstein gelegt werden. Als weitere wichtige Ziele einer Eingangsphase sehen wir:

o Gemeinsamer Start in eine neue Lebensphase der SchülerInnen.
o Vorhandene Ängste vor der neuen Schulform können abgebaut werden.
o SchülerInnen werden innerhalb kurzer Zeit mit der Organisationsform der 5./6. Klasse ihrer neuen Schule vertraut.
o SchülerInnen/KlassenlehrerInnen lernen sich intensiv kennen. Eine Klassengemeinschaft wird aufgebaut und gestärkt, wodurch eine aktive Gestaltung des Klassenklimas möglich wird.
o Die Eingangsphase einer neuen Klasse ermöglicht die Einführung von gemeinsamen Standards des sozialen Zusammenlebens einer Klasse und sollte den gesamten Jahrgang umfassen.
o Der Erwerb von Lernstrategien fördert die Methodenkompetenz und stellt die bewusste Gestaltung der eigenen Lernprozesse in den Mittelpunkt von Unterricht.
o Die Teamfähigkeit/Kommunikationsfähigkeit der Viertklässler aus unterschiedlichen Grundschulen wird überprüft und kann mit Hilfe entsprechender Übungen trainiert und gestärkt werden, was den konstruktiven Umgang mit Konflikten möglich macht.
o Inhalte zur Heftführung/Hausaufgabenerledigung werden einmal, übertragbar für alle Fächer, vermittelt.
o Die Einbeziehung der Eltern kann das Erreichen der angestrebten Ziele positiv beeinflussen.
Mit der Vorstellung der Eingangsphase der OS Büssingweg, Hannover, möchten wir Anregung und Ermutigung für eigene, an die jeweilige Schule angepasste Eingangsphasen geben.
Der Beginn der Eingangsphase an der OS Büssingweg liegt ca. zwölf Jahre zurück. Sie wurde von allen KollegInnen der Schule gemeinsam erarbeitet, getragen und unterlag während aller Jahre einer ständigen Veränderung, Weiterentwicklung und kritischen Betrachtung.
Die Überschaubarkeit eines relativ kleinen Systems, wie das der Orientierungsstufe, ermöglichte die Durchführung einer dreiwöchigen Eingangsphase, gleichwohl war die Flexibilität des Stundenplanmachers und die Unterstützung der Schulleitung Voraussetzung für das Gelingen des gemeinsamen Vorhabens an unserer Schule.

Struktur der Eingangsphase
Einschulungsfeier
1. Woche: Klassenlehrerunterricht, 2 Std. Sport
2. Woche: Klassenlehrerunterricht, 2 Std. Englisch, Mathematik
3. Woche: Klassenlehrerunterricht, alle anderen Fächer bei allen FachlehrerInnen sind eingeführt
In den ersten Jahren fand der Unterricht von der 1.- 4. Std. statt.
Anschließend war ein tägliches Treffen der KlassenlehrerInnen zur Evaluation und Vorbereitung angesetzt. Während der beiden letzten Jahrgänge fand der Unterricht von der 1.-5. Std. statt. Eine einmalige Besprechung zu Beginn der Einführphase wurde durchgeführt. Für das Erreichen eines guten Lern- und Sozialklimas halten wir zwei Themen der Eingangsphase für besonders geeignet und möchten sie an dieser Stelle näher erläutern.

Kennenlernspiele - Energizer
"Energizer" sind Interaktionsspiele, die das Erlernen sozialer Fähigkeiten in einer möglichst schönen Weise fördern, indem die SchülerInnen und LehrerInnen gemeinsam etwas tun und miteinander Spaß haben. Mit Kennenlernspielen kann eine freundliche und vertrauensvolle Atmosphäre hergestellt werden. Sie sind keine Wettbewerbspiele, die die Konkurrenz untereinander schüren können, sondern die SchülerInnen sollen sich eher geschätzt und in Gruppenprozesse einbezogen fühlen. Im Mittelpunkt stehen immer die Interaktionen der Spieler.
In der Literatur werden viele Spiele vorgestellt. Man lernt sie am besten kennen, wenn man sie einfach mit SchülerInnen ausprobiert. Dabei sollte Sinn und Ziel den Beteiligten klar sein und den Bedürfnissen der Gruppe angepasst sein. Energizer sollten mit den Schülern gemeinsam ausgewertet werden. Sie sind eine Ergänzung des Unterrichts, aber wollen ihn nicht ersetzen.

Klassenregeln finden

Für ein vertrauensvolles Lernklima und für das Wohlfühlen in einer Klassengemeinschaft ist es wichtig, sich auf Verhaltensregeln zu einigen, die von allen SchülerInnen akzeptiert werden können und auch eingehalten werden. Dabei sollen die SchülerInnen zunächst allein und danach in Kleingruppen überlegen, was sie benötigen, um sich in einer Lerngruppe wohl zu fühlen. Sie sollen Bedingungen nennen, unter denen sie gut arbeiten können und in der Klasse aufgehoben fühlen. Anschließend sollen in Kleingruppen Verhaltensregeln formuliert werden. Zum Abschluss werden von der Klasse die für sie wichtigsten durch Bepunkten ausgewählt.


Literaturhinweise
1. Durchblick, Welt- und Umweltkunde 5/6, Westermann, 2001
2. Hartmut Fiebig u.a., Wir werden eine Klassengemeinschaft, Verlag an der
Ruhr ISBN 3-86072-388-X
3. Heinz Klippert, Methoden-Training, Übungsbausteine für den Unterricht,
Beltz-Verlag 13. Auflage ISBN 3-407- 62409-3
4. Lions Quest, Erwachsen werden, Lehrerhandbuch 2. Ausgabe, 1992,
Newark (USA)


 

 

 

 

   
   
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